Anna Quindlen

quindlenbuchtitel

"Es ist sechzig Jahre her, seit ein Baby im Haus war", sagt die 80-jährige Lydia Blessing, als sie in das Geheimnis ihres Angestellten Skip eingeweiht wird: Der hat in einem Pappkarton vor der Tür ein Neugeborenes gefunden und schlüpft in die ungewohnte Vaterrolle."

Meine Zusammenfassung:
Lydia Blessing, 80 Jahre alt, lebt allein auf ihrem Anwesen in Mount Mason. Sie ist schon lange Witwe, sie selbst hat keine Illusionen mehr, sie hat praktisch mit ihrem Leben abgeschlossen. - Unzufrieden, verbittert, in sich gekehrt, introvertiert, und wird von den wenigen Nachbarn als Kauz angesehen. - Sie ist zwar vermögend, aber weiß damit nicht viel anzufangen. Kurz: Sie ist ein unglücklicher Mensch.

Sie hat u.a. auch einen Angestellten, Skip, den sie Charles nennt, und der findet eines Tages vor seiner Tür ein Baby. Er nimmt das Kind und füttert und wickelt es, beschafft sich alle notwendigen Utensilien. - - Nur, ob er das lange vor Lydia verbergen kann? -

Als sie schließlich entdeckt, dass Charles dieses Kind hat, fühlt sie sich überraschenderweise zu dem Kind hingezogen, in ihrer spröden Art ist sie Charles behilflich, sie verbergen gemeinsam das Kind vor der Hausangestellten und der Tochter der alten Dame.
So werden ihr einige Begebenheiten ihres Lebens wieder bewusst, wo sie nicht alles so gemacht hat, wie es gut gewesen wäre. - Und so ganz langsam ändert dieses kleine Baby ihr Wesen. - Kleine Begebenheiten erzeugen plötzlich Gefühle in der kauzigen Lydia. -
Es werden nun einige Geschehnisse erzählt, im Umfeld dieses abgelegenen Hauses, ihrer Bewohner und seit neuestem auch dieses kleinen Kindes.
Und daneben erfährt der Leser dann auch einige Sequenzen des Lebens dieser alten Frau

Es wird ein Einbruch geschildert, wo Skip irgendwie verwickelt zu sein scheint. - …
.Ehemalige Kumpane von Charles verüben einen Einbruch in das herrschaftliche Haus, er kommt dazu, will sie daran hindern , die alte Dame kommt dazu und sie bezichtigt ihn fälschlicherweise der Mittäterschaft, er kommt ins Gefängnis, das Kind wird weg gebracht .................
Und in dieser Situation, die ich jetzt hier nicht einzeln schildern möchte, kommt es darauf an, was Lydia sich entscheidet zu tun. Glaubt sie ihrem Gefühl, oder wie reagiert sie? …..die alte Dame erkennt bald ihren Irrtum, doch es ist zu spät. -

Während seines Gefängnisaufenthaltes wurde die Mutter des Babys gefunden, sie soll das Baby zurückbekommen; kommt auch mit ihren Eltern, um das Baby abzuholen, Charles ist mittlerweile wieder frei. - Für ihn bricht eine Welt zusammen, er macht einen letzten *Ausflug* mit *seiner Tochter*........gibt sie schließlich ihrer Mutter zurück.
Am Ende des Buches besucht dann diese leibliche Mutter des Babys ihn, bietet ihm an, in der Nähe zu wohnen usw., für mich sah es so aus, also ob sie sich ihm anbietet, aber das Ende des Buches war diesbezüglich offen.
Die alte Dame starb kurz nach der Übergabe des Babys, sie hinterließ Charles ein kleines Vermögen, sein künftiges Leben ist abgesichert.....

 


Die Autorin
"Anna Quindlen ist eine der bekanntesten amerikanischen Journalistinnen. Sie war lange Zeit als Kolumnistin für die "New York Times" tätig.

1992 erhielt sie den renommierten Pulitzerpreis.

Inzwischen zählt sie in den USA zu den wenigen ganz großen Autorinnen, denen es gelingt, sowohl die Literaturkritik als auch das breite Publikum zu begeistern."


"Treffender hätte kein Titel eines Buches ausfallen können.
Anna Quindlen schöpft aus dem Vollen, und man weiß nicht,
was mehr anrührt: Da ist der vorbestrafte Skip, "das einzig
Gesunde, das seine Mutter zu Stande gebracht hat", da ist
Lydia, die "jahrelang voller Missbilligung für die Launenhaftigkeit
der Welt die Lippen" zusammengekniffen hat und da ist Faith,
das Baby. Der eine wächst über sich hinaus, die andere
taut angesichts kastanienbrauner Babyhaut auf aus
jahrzehntelanger Starrsinnigkeit und innerer Isolation." (Klappentext)

Buchdaten:
Gebundene Ausgabe: 286 Seiten Verlag: btb Verlag (18. Februar 2003) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3442750997 ISBN-13: 978-3442750993

Vom ersten Satz an ein zauberhaftes Buch.

Beeindruckend für mich die in ganz einfacher Sprache *rübergebrachten* Gefühle dieses jungen Mannes. Ganz einfach und selbstverständlich hört sich an (liest sich) was er mit dem Findelkind macht, wie seine Gedanken sind, und wie selbstverständlich er es behütet, beobachtet, schließlich sein ganzes bisher so trostloses Leben umstellt und sich ganz mit Leib und Seele diesem kleinen Kind widmet.

Im Hintergrund läuft dann diese Geschichte dieser alten Dame, die immer wieder eingeflochten wird; auch sie hatte ein unbefriedigendes, unerfülltes und verlogenes Leben auf Grund der allgemeinen gesellschaftlichen Situation. Während dieser ganzen Schilderung mit dem Kind wird so ihr ganzes Leben geschildert und transparent, warum und wie eigentlich alles so gelaufen ist ........

Alles in Allem ein ganz nettes, liebes, aber auch sehr hintergründiges Buch, sehr lesenswert, über die amerikanische *Spießergesellschaft* wird der Leser ganz nebenbei informiert.

Das Buch kann uns nachdenklich zurücklassen. Alleine die Schilderungen der Reflektion der Lebensgeschichte von Lydia, wie sie einst reagiert hat, aus welchen Gründen auch immer; aber nicht zuletzt natürlich, wie sie selbst dann geworden ist im Alter: unzufrieden, hart, grantig, ein Kauz.