Danuta Reah
Nachtengel

Meine Zusammenfassung
Ein Krimi, der schaurig beginnt; eine Frau ist mit ihrem Auto unterwegs, ihr Auto bleibt stehen, ein Auto naht von vorne, fährt rückwärts auf sie zu - Schnitt - Was war geschehen? -

Hier ein Ausschnitt:
"Zuerst war es wie ein Spiel. Der dunkle BMW war hinter ihr aus dem Parkplatz herausgefahren und ihr auf der Durchgangsstraße bis in die Stadtmitte von Manchester gefolgt.

"Aufgeblasener Geldsack", murmelte sie. Luke sagte das immer, wenn er jemanden sah, der einen Luxusartikel besaß, um den er ihn heimlich beneidete. Der BMW blieb bis zur Autobahn hinter ihr, und als alle drei Fahrbahnen leer vor ihm lagen, war der Fahrer zu ihrer Überraschung nicht mit Vollgas an ihr vorbeigezogen. Jedenfalls war der schnittige dunkle Wagen manchmal vor, dann wieder hinter ihr, aber immer in ihrer Nähe. Sie fing an, im Rückspiegel genauer auf den Fahrer zu achten, weil sie wissen wollte, ob es jedes Mal dasselbe Fahrzeug war. Aber die Fenster waren dunkel getönt. Protziger Fatzke! Ebenfalls eine Vokabel aus Lukes Wortschatz. Sie hatte den Eindruck, dass der Fahrer helle Haare hatte - blond oder vielleicht weiß? -, konnte es aber nicht genau erkennen. Als sie Manchester verließ, fing es an zu dämmern, und als sie auf der geraden Straße an den hohen Steinmauern und den Läden vorbei nach Glossop kam, war es bereits dunkel. Sie fuhr langsamer, als sie den großen Platz erreichte. …"

Mehr ist von der Frau dann erst wieder sehr viel später zu erfahren. …..
Gemma Wishart, Spezialistin für russische Dialekte, angestellt in einem Forschungsinstitut mit digitalen Archiven und ehrgeizigen linguistischen Analysen von Polizeiverhören, war auf dem Weg nach Manchester zu einem Meeting.

Die verschiedenen Kapitel bezeichnen dann die verschiedenen Schauplätze. Da ist einmal dieses Institut, dann eine Polizeistation.
Das sind die Hauptschauplätze. Neben einigen Nebenschauplätzen. Z.B. auch dieser ehrenamtlich betriebenen Stelle für Asylanten usw.

Es wurden mehrere Frauen gefunden, wo Todesursache nicht klar ist. - Der letzte Fund war der einer toten Frau in einem Hotel; sie lag in der Dusche, in obszöner Stellung, ihr Gesicht nicht mehr erkennbar - .
Es waren Spuren gelegt, z.B. lag eine Visitenkarte da, die auf eine Begleitagentur mit dem englischen Namen Engel in ihrem Namen hinwies. Die Putzfrau, die die Leiche fand, hatte scheinbar ein schweres Trauma, und ergriff panikartig die Flucht. Vor was sie Angst hatte, ist erkennbar an den dargstellten Gedanken, die sie hat.
Warum sie fliehen muss, bleibt lange unklar. - bzw. eigentlich bis zum Schluss, und auch da wird das nicht aufgeschlüsselt...... -
Diese ganzen Morde, bzw. sie wurden gar nicht gleich als Morde gesehen, betrafen junge Frauen, die aus asiatischen Ländern stammten, bzw. aus Nord-Ost-Sibirien. - Diese junge Forscherin, Gemma, war der Sache auf der Spur, sie hatte scheinbar Zusammenhänge aufgrund ihrer linguistischen Recherchen erkannt. Ihre Kontakte deshalb mit einem anderen Institut, bzw. einem Archiv, führten vermutlich dazu, sie zu vernichten. -
Warum? - Was war daran so gefährlich?

Ich hoffte natürlich während des ganzen Lesens, darauf eine Antwort zu finden…….

Da gibt es einen ehrenamtlich tätigen Verein, wo Anna, die flüchtige Putzfrau, sich nach Tagen und Nächten auf der Flucht hinbegeben hatte. - Der Leiter versteckt sie. - Aber warum eigentlich? - Später wird die Person dieses Leiters auch bekannt…… - aber was er wirklich ist, lasse ich offen, bzw. verrate es nicht.
Diese Ermittlungen mit ihren Figuren, auch die Nachforschungen der Universität/Instituts werden geschildert. Irgendwann gibt es auch Zusammenhänge. Liebesgeschichten - auch die gibt es. - Bei der Polizei und auch im Institut.

Viel zu erfahren ist, wie die linguistischen Forschungen arbeiten. Das ist hochinteressant. - Da gibt es alleine in dem russischen Gebiet an die 100 verschiedene Sprachen, darunter Sprachen, die nur wenige 100 Menschen sprechen. - Und genau das anhand polizeilicher Verhöre herauszufinden um Identitäten - nicht nur von Opfern, sondern auch von Tätern zu erfahren - ist schon sehr interessant.

Als plötzlich eine Internetseite auftaucht, wo Gemma so hingestellt wird, als sei sie auch ein Callgirl, es sind Fotos von ihr in eindeutiger Stellung da, sind veröffentlicht, wird es schon makaber. - Besonders auch, als diese Internetseite dann plötzlich nicht mehr auffindbar ist. -

Auch als sämtliche Unterlagen, Laptops und PC-Unterlagen von Gemma verschwinden, das gibt allen Rätsel auf. Als dann die junge Kollegin von Gemma, Roz, der Sache auf der Spur ist, verschwinden auch bei ihr wichtige Daten und Papiere. - Alles wird zum Rätsel.
Und schließlich droht Roz dasselbe Schicksal wie ihrer Kollegin Gemma…. Es gibt zwar ein Ende, auch einige Zusammenhänge werden klar. Aber wo bleiben die Motive der Täter, deren es mehrere zu geben scheint…. Aber: gibt es da evtl. eine Fortsetzung, einen 2. Band? -

 

 

Die Autorin
Danuta Reah kennt die Stille und Geborgenheit der Kleinstadt - und die Gefahren, die darin lauern können. Mit ihrem Mann Ken, einem Maler, lebt sie seit vielen Jahren in der englischen Stadt Sheffield. Danuta Reah unterrichtet an der Universität Englisch und leitet Workshops für angehende Schriftsteller.

 

Buchdaten:
Verlag: BLANVALET 2003
Seitenzahl: 414 Deutsch
ISBN-13: 9783764501518
ISBN-10: 3764501510

 

 

"Wer dachte, im Krimi-Genre gebe es nichts Aufregendes mehr zu entdecken, wird von Danuta Reah eines Besseren belehrt. Statt für malerische englische Dörfer und Cottages entschied sie sich für eine faszinierend düstere, alte Industriestadt: Sheffield - eine Stadt auf der Suche nach einem neuen Gesicht ... Das Ende des Kalten Krieges schwemmt Asylanten und illegale Einwanderer in den Ort. Nur an der Universität floriert die High-Tech-Ära mit digitalen Archiven und ehrgeizigen linguistischen Analysen von Polizeiverhören. Engagiert dabei ist Gemma Wishart, Spezialistin für russische Dialekte. Doch eines Tages wird ihr Auto verlassen aufgefunden. Gleichzeitig wird in einem Hotel eine weibliche Leiche entdeckt. Mit zerstörtem Gesicht. Genau wie zuvor bei zwei anderen jungen Frauen. Alle offensichtlich Prostituierte. Während Gemmas Kollegin Roz Bishop auf eigene Faust nach der Vermissten sucht, ermittelt Kommissarin Lynne Jordan im Milieu. Und stößt dabei auf perfide Verbindungen zu den armen Ländern Osteuropas. Unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Forschung .. Gemma, eine junge Sprachforscherin, scheint einem zweifelhaften Nebenjob nachzugehen und wird ermordet und grässlich entstellt in einer Hotelbadewanne gefunden. Ähnliche Morde wurden an illegal eingereisten Prostituierten verübt. Gemma arbeitete über slawische Sprachen, und die ermordeten Frauen kamen aus russischen Gebieten: Eine Verbindung scheint sich aufzutun ..."

(aus der Verlagsbeschreibung)

Meine abschließende Meinung
Zuerst mal meine End-Meinung: Ich sah keinen Schluss. Keine Auflösung. -

Das ganze Buch versuchte den Spannungsbogen permanent aufrecht zu erhalten. - Ich sage absichtlich versuchte….. Es langweile mich nämlich über viele Seiten, und nur, weil ich wissen wollte, wie alles ausgeht, las ich es überhaupt weiter, und bis zum Schluss.

Und legte es dann mit einem Gefühl weg, das ganze Buch entweder nicht verstanden zu haben, oder dass das Buch irgendwo so mittendrin endet…. Weder eine Motivation noch eine Entwirrung der vielen Handlungsstränge konnte ich erkennen.

Nehme ich mal das positive; die Autorin schildert eindrucksvoll die Szenen, die düsteren Landschaften, die Figuren. - Und sie gibt eben auch die Vorgehensweisen dieses Forschungsinstituts preis, die schon sehr interessant sind. Auch die Einschleusung von jungen Frauen aus ostasiatischen Ländern, hier aus Nord-Ost-Sibirien, aber auch Nachbarländern, wird interessant geschildert…… Aber insgesamt hinterlässt bei mir das Buch kein Gefühl, einen guten Kriminalroman gelesen zu haben. Einfach, weil mir die Auflösung nicht schlüssig ist.

Das habe ich jetzt sehr wohlwollend ausgedrückt. - Eigentlich ist so ein Buch eine Frechheit - eine Geschichte zu offerieren, ein Krimi, wo keinerlei Auflösung angeboten wird.... -