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Meine
Zusammenfassung
Der
Satz seiner Lehrerin in Polen, als er sich als Neunjähriger von
ihr verabschiedet: "du fährst, mein Sohn, in das Land der Kultur!"
und seine Erfahrungen und Erlebnisse dann in diesem Land der Kultur,
in Berlin, begleiteten ihn sein leben lang.
Auf
der einen Seite seine uneinschränkte Bewunderung der deutschen Literatur,
aber auch der Musik, und auf der anderen Seite der barbarische Umgang
mit ihm, als Jude, ließ ihn immer widersprüchliche Gefühle entwickeln.
Wobei die guten Gefühle und Liebe zur Literatur und Kultur im Allgemeinen
aber immer im Vordergrund blieben.
Die
Nachkriegszeit erlebt er in Polen, wird Kommunist. 1958 kehrte er
mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Zunächst mittellos und
in einem möblierten Zimmer hausend, schreibt er bald für große Zeitungen,
und er entwickelt sich zum Literaturkritiker.
M.R.R. erzählt in seinem Buch gemäß seiner temperamentvollen Art,
humorvoll trotz des eigentlich sehr ernsten und ja teilweise tragischen
Inhalts, gespickt mit Anekdoten sein sehr ereignisreiches Leben.
Er war einige Zeit bei der "ZEIT", später bei der "Frankfurter Allgemeinen"
als Literaturchef.
Er erzählt interessante Begegnungen mit Bertold Brecht und Anna
Seghers, Ingeborg Bachmann, Elias Canetti und Thomas Bernhard, Heinrich
Böll, Günter Grass, Max Frisch, Wolfgang Koeppen und vielen anderen.
M.R.R. erzählt bewundernd und auch kritisch von der deutschen Literatur,
aber auch von der Musik deutscher Komponisten. Er ist neben der
Literatur auch ein großer Kenner und Liebhaber klassischer Musik.
Aber sein Hauptaugenmerk war immer auf die deutsche Literatur gerichtet.
Er las zwar mal englische, französische oder amerikanische Literatur,
aber seine Liebe galt einfach der deutschen Literatur.
Und er kennt nicht nur eine Unmenge von Autoren, sondern auch unzählige
Werke in der Literatur.
Er
lässt auch keine Amouren aus, die seine Ehe zeitweise belasten,
aber auch seine ewige Treue seiner Frau gegenüber, die gegenseitig
ist, bestimmt sein ganzes Leben. Mit Treue versteht er nicht die
sexuelle Treue. Sie haben einen Sohn.
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Marcel Reich-Ranicki kommt am 2. Juni
1920 in Wloclawek/Weichsel als drittes Kind seiner Eltern David
und Helene Reich zur Welt.
Der Vater Pole, die Mutter Deutsche;
beide sind Juden.
Er übersiedelte 1929 mit seinen Eltern
nach Berlin, dort wird er 1920 im Gymnasium eingeschult.
1938 verließ er die Schule mit dem
Reifezeugnis. (Abitur) Weil er Jude ist darf er nicht studieren
und beginnt deshalb eine Kaufmannslehre.
Aber schon kurze Zeit später wird er
noch im gleichen Jahr verhaftet und nach Warschau deportiert.
Als die Deutschen 1940 mehr als 400.000
Juden im Warschauer Ghetto zusammenpferchten, umgeben von einer
drei Meter hohen Mauer, wird M.R.R. vom Judenrat als Übersetzer
beschäftigt
Dort lernt er seine Frau Teofila (Tosia)
Langnas, kennen, sie heirateten 1942.
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Meine
Meinung:
Ich
kannte M.R.R. bereits aus der Sendung "Literarisches Quartett",
ich habe kaum eine Sendung versäumt. Und hier fiel er mir schon
besonders auf; seine ehrliche und oft recht krass geäußerte Kritik
über verschiedene Bücher beeindruckte mich.
Und
viele der von ihm positiv beurteilten Bücher habe ich gelesen. Aber
auch von ihm *zerrissene Bücher*.
Seine Biografie "Mein Leben" ist von Anfang an sehr spannend, liest
sich wie ein Krimi. Und was mich besonders beeindruckt hat, sind
die Schilderungen über Begegnungen mit berühmten Schriftstellern.
Was
hervorzuheben ist, ist die bescheidene Einschätzung seiner Person.
Ja, doch, sie ist bescheiden! Und ganz außergewöhnlich auch seine
*trotz allem* überragende Liebe zu den Deutschen und die Begeisterung
über deutsche Schriftsteller!
Ehrlich
schildert er seine Erlebnisse und Gefühle, ob im Getto in Warschau,
in Berlin als Schüler, nach dem Krieg in Polen, nach 1958 in Deutschland
als Mitarbeiter bedeutender Zeitungen.
Ganz
besonders dankbar bin ich über die Empfehlungen von Büchern, die
ich bis dahin noch nicht gelesen hatte und die ich mir fast alle
mittlerweile gekauft habe; es hat mich keins der von ihm empfohlenen
Bücher enttäuscht, sondern ich teile voll und ganz seine Bewunderung
für diese Literatur. Das heißt also, man (ich) kann sich (mich)
auf sein Urteil über Literatur verlassen; und hier ist auch sehr
hilfreich seine Schilderung über die jeweiligen Schriftsteller,
was das Lesen eines Buches natürlich positiv beeinflusst, ja direkt
motivierend wirkt.
Sein
Schreibstil in seiner Biografie ist einfach, sehr gut verständlich,
dramaturgisch hervorragend aufgebaut, und er versteht es natürlich
meisterhaft, den Spannungsbogen über das ganze Buch bis zum Ende
zu erhalten, ja sogar immer wieder noch zu verstärken.
Seine
Biografie (565 Seiten)gehört für mich zu den besten Biografien,
die ich gelesen habe; beleuchtet sie doch über Jahrzehnte hinweg
ein Leben vor politischen, literarischen Hintergründen, nicht zuletzt
auch die Gegebenheiten und Verfahrensweisen in bedeutenden Printmedien.
Nachtrag
am 16.04.2009:
Gestern
lief der Film über dieses Buch. Und ist ein wunderbarer Film
geworden, sehr gut inszeniert, einfach super.
Einiges
natürlich nicht erwähnt, klar, dafür einiges, was
ich im Buch gar nicht so richtig wahrgenommen hatte.
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