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herausgegeben von Angela Drescher
Werke
1956: "Die Frau am Pranger" (Erzählung), "Kinder von Hellas" (Erzählung)
1957: "Wenn die Stunde ist, zu sprechen" und "Das Mädchen auf der
Lotusblume" (unvollendete Romanfragmente)
1960: "Das Geständnis" (Erzählung), "Ein Mann steht vor der Tür"
und "Sieben Scheffel Salz" (Hörspiele, Co-Autor Siegfried Pitschmann)
1961: "Ankunft im Alltag" (Erzählung)
1963: "Die Geschwister" (Erzählung)
1965: "Das grüne Licht der Steppen" (Hörspiel)
1974: "Franziska Linkerhand" (Roman, unvollendet)
1993: "Sei gegrüßt und lebe" (Briefwechsel 1964 bis 1973 mit Christa
Wolf, Co-Autorin Christa Wolf)
1997: "Ich bedaure nichts" (Tagebücher 1955 bis 1963)
1998: "Alles schmeckt nach Abschied" (Tagebücher 1964 bis 1970)
"Brigitte Reimanns Tagebücher sind
einzigartige Zeugnisse eines ruhelosen, leidenschaftlichen, kreativen
Lebens und zugleich Zeitdokumente, die Geist und Stimmung einer
ganzen Periode deutscher Nachkriegsgeschichte einfangen." "Die große
Liebe ist kaputt, ich sitze in einer fremden Stadt, ziemlich allein.
Und ich bin nicht mehr jung, ich bin eine Amazone. Herrgott, und
dieses Buch! Das wird ein hartes Stück Arbeit, über so viel Persönliches
hinwegzukommen und eben ein Buch zu schreiben. Inzwischen muss ich
mir immer wieder sagen: Ich habe eine literarische Figur geliebt.
Übrigens hat mir Jon das schon vor einem Jahr gesagt. Ich erinnere
mich, dass ich nach einer Auseinandersetzung (…) seine Worte aufgeschrieben
habe, um sie später in meinem Buch zu versenden. Der unschuldige
Zynismus der Schriftsteller." "Es war dieser scharfe, auch gegen
sich selbst unerbittliche Blick der Schriftstellerin Brigitte Reimann,
der uns mit den Tagebüchern ein einzigartiges Lebenszeugnis hinterlassen
hat: die beeindruckende Biographie einer leidenschaftlichen, extravaganten
Frau, und zugleich ein Zeitdokument, das Geist und Stemmung einer
ganzen Periode der ostdeutschen Nachkriegsgeschichte einfängt."
Meine
Zusammenfassung:
Dieser
zweite Band ihrer Tagebücher ist anfangs noch mehr geprägt von Aufzeichnungen
über ihren Jon (3. Ehemann), über die räumliche Trennung von ihm.
Sie zieht nach Neubrandenburg, er bleibt in Hoyerswerda, besucht
sie immer nur am Wochenende. - Sie leben sich auseinander.
Besonders
schön sind ihre Aufzeichnungen über ihre Sibirienreise, eine dienstliche
Reise, die sie durch einige russische Länder führt, überall willkommen
geheißen, überall die große Gastfreundschaft genießend, sie lernt
interessante Menschen kennen, ist begeistert von dem Land und möchte
später unbedingt mal wieder hin reisen. - Es kommt aber nicht dazu,
zumindest ist es nicht in ihren Tagebüchern festgehalten.
In nur ein paar Sätzen beschreibt sie, dass sie eine Brust abgenommen
bekam und nennt sich dann eine *Amazone*, misst dieser Situation
aber nicht viel Bedeutung bei; allerdings hat sie immer Angst vor
Krebs. Und da ihre Schmerzen im Kreuz und auch im Bauch immer größer
und unerträglicher werden, wird sie für einige Wochen in eine Klinik
eingewiesen, bekommt dort auch Kobaltbestrahlungen, aber immer noch
meint sie, sie hätte kein Krebs.
Sie
hat einen sehr engen Freund, einen jungen Homosexuellen, mit dem
sie aber nicht schläft. Mit ihm geht sie häufig nachts aus, in die
Bars und Hotels, zum Tanzen und Treffen mit anderen Bekannten.
Während dieser Jahre wird ihre politische Haltung immer kritischer
gegenüber der Situation in der DDR, sie reagiert oft sehr ungehalten
und wütend über die machthaberischen Verhaltensweisen von Partei
und Politbüro, über die Beeinflussung von Literatur und Kunst
überhaupt. Sie kritisiert häufig Schriftstellerkollegen, die sich
dem Regime beugen und ihre Inhalte anpassen, was sie selbst ablehnt.
Sie arbeitet immer viel, zwischen ihren Eskapaden im Nachtleben,
mit anderen Männern usw. -
Der Bruch mit ihrem Jon kommt für sie plötzlich, obwohl schon lange
erahnt. Sie ist am Boden zerstört, als sie erfährt, dass er sich
scheiden lassen will und schon längst eine andere Frau hat, die
sogar schwanger von ihm ist. - Sie selbst konnte mit ihm kein Kind
haben, bei ihr hatte es nie geklappt, was von ihr sehr bedauert
wurde. Später begründet sie ihre Kinderlosigkeit mit den Bestrahlungen,
*die irgendetwas in ihrem Bauch kaputtgemacht haben müssen*. -
Und immer wieder spricht sie von ihrem Roman (Franziska Linkerhand),
an dem sie seit 1963 arbeitet, die Verbindung ihrer Romanfigur Franziska
zu sich selbst wirkt sich immer wieder hemmend aus (vermute ich).
1970 wird sie von Jon geschieden, im gleichen Jahr lernt sie Dr.
Rudolf B. (Bär) kennen, den sie auch im Februar 1971 heiratet. Mit
ihm lebt sie zusammen, er zieht zu ihr in ihre Wohnung, sie führen
ein *richtiges* Eheleben. Sie fühlt sich bei ihm wohl, wird geliebt
und liebt, hat aber immer wieder Angst, dass das wieder aufhört.
Das
Tagebuch endet im Dezember 1970 so:
"…Sonntag sind wir den
ganzen Tag im Bett geblieben und haben uns geliebt und geschlafen
und wieder geliebt und über unsere Hochzeit geschwatzt und Pläne
gemacht, die dann aber bestimmt nicht verwirklicht werden. Wir sind
furchtbare Schlampen, und die Trägheit des Dicken provoziert meine
eigene potentielle Trägheit, die ich all die Jahre, die ich für
mich allein sorgen musste, nicht heraufkommen ließ. Jetzt fühle
ich mich zum ersten Mal in Sicherheit, und das ist schön und gefährlich.
Ich lasse mich gehen. Irgendetwas muss geschehen, damit ich wieder
aktiv werde und nicht mehr so schlaftrunken bin vor Glück und Geborgenheit."
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Brigitte Reimann *. 21.Juli 1933 in Burg bei Magdeburg,
†20.Februar 1973 in Berlin/DDR Nach dem Abitur arbeitete Brigitte
Reimann zunächst als Lehrerin. 1955 begann sie zu schreiben. Als
Schriftstellerin vertrat sie den so genannten Bitterfelder Weg,
nach dem Autoren versuchen sollten, durch Arbeit in Betrieben einen
engeren Kontakt zum Volk herzustellen. 1960 zog sie nach Hoyerswerda,
wo sie bis 1968 wohnte. 1965 wurde sie mit dem Heinrich-Mann-Preis
geehrt. Von 1968 bis 1973 wohnte sie in Neubrandenburg (Brigitte-Reimann-Gedenkstätte).
Während der Jahre in Hoyerswerda arbeitete sie im Kombinat "Schwarze
Pumpe". Aus dieser Tätigkeit heraus schrieb sie 1961 den Kurzroman
"Ankunft im Alltag". Er gab der so genannten Ankunftsliteratur den
Namen. Im Alter von 39 Jahren starb Brigitte Reimann am 20. Februar
1973 in Berlin an Krebs. Den Roman "Franziska Linkerhand" ließ sie
unvollendet zurück. Einige heutige Literaturwissenschaftler vermuten,
dass dieses Werk vor der Veröffentlichung im Auftrag von SED-Funktionären
teilweise umgeschrieben wurde und einzelne Auszüge gestrichen wurden.
2003 erfuhr Brigitte Reimann zahlreiche Ehrungen zu ihrem 70. Geburtstag,
unter anderem wurde in Hoyerswerda eine Bibliothek nach ihr benannt
und in Neubrandenburg eine Gedenkstätte eingerichtet. 2004 wurde
ihr Leben in der Fernsehproduktion "Hunger auf Leben" mit Martina
Gedeck in der Hauptrolle verfilmt.
"Ich habe zu früh Erfolg gehabt,
den falschen Mann geheiratet, in den falschen kreisen verkehrt;
ich habe zu vielen Männern gefallen und an zu vielen Gefallen gefunden",
lautete das nüchterne Fazit, das Brigitte Reimann bereits mit Mitte
Zwanzig zog. In den Tagebüchern lässt sich ihre Biographie wie in
einem Roman verfolgen; als Lebensgeschichte einer leidenschaftlichen,
lebenshungrigen, kompromisslosen Frau, die trotz aller Erfolge unter
Selbstzweifeln leidet. Zugleich aber sind diese Tagebücher eine
außergewöhnliche Dokumentation des Alltags in den fünfziger und
sechziger Jahren.
"Ein Parlando, in dem der Odem
großer Literatur weht. Ich kann mich nicht erinnern, das buch einer
Frau in deutscher Sprache gelesen zu haben, in dem die Sehnsucht
nach Liebe mit einer solchen Sinnlichkeit und Intensität gezeigt
wurde. Dieses Buch hat die Qualität eines Romans und die Vorzüge
eines Tagebuchs. Es hat mich ergriffen." - Marcel
Reich-Ranicki im literarischen Quartett -.
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