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Werke
1956: "Die Frau am Pranger" (Erzählung), "Kinder von Hellas" (Erzählung)
1957: "Wenn die Stunde ist, zu sprechen" und "Das Mädchen auf der
Lotusblume" (unvollendete Romanfragmente)
1960: "Das Geständnis" (Erzählung), "Ein Mann steht vor der Tür"
und "Sieben Scheffel Salz" (Hörspiele, Co-Autor Siegfried Pitschmann)
1961: "Ankunft im Alltag" (Erzählung)
1963: "Die Geschwister" (Erzählung)
1965: "Das grüne Licht der Steppen" (Hörspiel)
1974: "Franziska Linkerhand" (Roman, unvollendet)
1993: "Sei gegrüßt und lebe" (Briefwechsel 1964 bis 1973 mit Christa
Wolf, Co-Autorin Christa Wolf)
1997: "Ich bedaure nichts" (Tagebücher 1955 bis 1963)
1998: "Alles schmeckt nach Abschied" (Tagebücher 1964 bis 1970)
Meine
Zusammenfassung:
Franziska ist eine Architekturstudentin, macht ihr Examen und beschließt,
sich in Neustadt (vermutlich ist Hoyerswerda gemeint) zu bewerben.
Sie wird auch genommen. Sie schildert ihre Ankunft dort, ihr neuer
Wirkungskreis ist am Stadtrand dieser neu zu erbauenden Stadt hinter
dem Friedhof in einer Baracke.
Schnell
durchschaut sie, dass sie eigentlich mit ihren Ideen und Idealen
gar nicht gefragt ist, sondern langweilige Zeichnungen zu machen
hat und alles *von oben* bestimmt wird. Mit einem jungen Kollegen
hat sie ein freundschaftliches Verhältnis, mit ihrem Chef hat sie
anfangs so ihre Schwierigkeiten, aber so nach und nach gewinnt sie
ihm doch einiges Gute ab. Sogar Sympathie entwickelt sich, und zwar
gegenseitig. So bekommt sie doch einige Vorschläge bewilligt, z.B.
einen Laden aufzumachen, zwar winzig, wo den Leuten bei ihrer Wohnungseinrichtung
geholfen werden kann, sie werden beraten usw. - Alle Wohnungen in
den *Mietskasernen* sind gleich eingerichtet. Überall hängt an der
gleichen Stelle die gleiche Lampe usw.
Vom
ursprünglichen, alten Ort sind nur noch wenige alte, teilweise verfallene
Häuser vorhanden, ein Ortskern gibt's praktisch nicht mehr. Ein
Kino gibt's nicht, aber eine Kneipe, wo Franziska auch öfter hingeht.
Mit der Wirtin kommt sie häufig ins Gespräch usw. -
Franziska
selbst wohnt in einem Zimmer, möbliert, und mangels eines richtigen
Hotels ist das eben ihr Hotelzimmer, und auf ihrem Gang gibt's eine
Küche und noch andere Bewohner, u.a. auch eine Frau, die sich immer
vollsäuft, und die sie häufig aus dem Lokal nachhause schleppt.
Franziska
lernt schließlich den von ihr "Ben" (nach Benjamin) genannten Mann
kennen. Ein schwieriger Charakter, verheiratet, und ihre Wege kreuzen
sich, ob beabsichtigt oder nicht, öfter. Er ist ziemlich unzugänglich,
aber mit der Zeit trifft er sich doch mit ihr, aber meistens so,
dass es zufällig aussieht. Es gibt ein sehr kompliziertes Verhältnis
zwischen den beiden.
Und
die ganzen Gedanken, Geschehnisse, Werdegänge der beteiligten Personen,
wie z.B. seiner Frau usw. werden ausführlich geschildert. Auch die
Herkunft von Ben wird in vielen Einzelheiten erzählt; häufig durchsetzt
von latenter Kritik an Politik, System, usw. usf.
Ein
Happyend gibt's nicht, auch wenn das letzte Kapitel nicht zu Ende
geschrieben ist. Nachdem sie ihre Beziehung zu Ben beendet hat,
treffen sie sich dennoch wieder, und die Liebe entflammt, und sie
verbringt eine Nacht bei ihm, verlässt ihn aber am frühen Morgen
bevor er aufwacht und kehrt zurück an ihre Arbeitsstätte in das
Planungsbüro in Neustadt, zu ihrem Chef.
Hier
die letzten Sätze des unvollendeten letzten Kapitels:
"O
Gott….ein nur noch geliebtes Bild: Wie soll ich leben ohne den Lichtreif
an der Decke, ohne den brandig süßen Geruch der blonden Haare in
deiner Achselhöhle, ohne deine Hüften, deinen Rücken, auf den ich
mit dem Finger Verse schrieb, ohne deine harten Hände. Die meinen
Nacken umfassten, spöttisch beschützerisch, die mich meine Schultern
und Schenkel, Brüste und Bauch kennen lehrten, und ach, endlich
die Lust, von der ich aus Büchern wusste…es war ein Schrei, der
ungläubige, in unserer ersten oder der zweiten Nacht, wie man es
nehmen will, mein gebrochener und ungläubiger Schrei, während ich
durch eine Gasse jagte, zwischen südlich erhitzter Mauer, keine
Fenster, nur ein schmales Gittertor, im Vorübereilen sehe ich wilde
Blumen, Lorbeerbüsche, einen Baum mit granatroten Früchten….."
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Brigitte Reimann *. 21.Juli 1933 in Burg bei Magdeburg,
†20.Februar 1973 in Berlin/DDR Nach dem Abitur arbeitete Brigitte
Reimann zunächst als Lehrerin. 1955 begann sie zu schreiben. Als
Schriftstellerin vertrat sie den so genannten Bitterfelder Weg,
nach dem Autoren versuchen sollten, durch Arbeit in Betrieben einen
engeren Kontakt zum Volk herzustellen. 1960 zog sie nach Hoyerswerda,
wo sie bis 1968 wohnte. 1965 wurde sie mit dem Heinrich-Mann-Preis
geehrt. Von 1968 bis 1973 wohnte sie in Neubrandenburg (Brigitte-Reimann-Gedenkstätte).
Während der Jahre in Hoyerswerda arbeitete sie im Kombinat "Schwarze
Pumpe". Aus dieser Tätigkeit heraus schrieb sie 1961 den Kurzroman
"Ankunft im Alltag". Er gab der so genannten Ankunftsliteratur den
Namen. Im Alter von 39 Jahren starb Brigitte Reimann am 20. Februar
1973 in Berlin an Krebs. Den Roman "Franziska Linkerhand" ließ sie
unvollendet zurück. Einige heutige Literaturwissenschaftler vermuten,
dass dieses Werk vor der Veröffentlichung im Auftrag von SED-Funktionären
teilweise umgeschrieben wurde und einzelne Auszüge gestrichen wurden.
2003 erfuhr Brigitte Reimann zahlreiche Ehrungen zu ihrem 70. Geburtstag,
unter anderem wurde in Hoyerswerda eine Bibliothek nach ihr benannt
und in Neubrandenburg eine Gedenkstätte eingerichtet. 2004 wurde
ihr Leben in der Fernsehproduktion "Hunger auf Leben" mit Martina
Gedeck in der Hauptrolle verfilmt.
"Ich habe zu früh Erfolg gehabt,
den falschen Mann geheiratet, in den falschen kreisen verkehrt;
ich habe zu vielen Männern gefallen und an zu vielen Gefallen gefunden",
lautete das nüchterne Fazit, das Brigitte Reimann bereits mit Mitte
Zwanzig zog. In den Tagebüchern lässt sich ihre Biographie wie in
einem Roman verfolgen; als Lebensgeschichte einer leidenschaftlichen,
lebenshungrigen, kompromisslosen Frau, die trotz aller Erfolge unter
Selbstzweifeln leidet. Zugleich aber sind diese Tagebücher eine
außergewöhnliche Dokumentation des Alltags in den fünfziger und
sechziger Jahren.
"Sie selbst ist gestorben, aber
ihr Buch "Franziska Linkerhand" wird unter den Leuten sein, lange,
glaube ich, denn es ist reich an Schönheit und reich an Gedanken,
und beschreibt einen Menschen, der Brigitte ähnlich ist: die tapfer
war - und Angst haben konnte, die manchmal verzweifeln wollte -
und sich immer wieder überwand, die Schweres ertragen musste - und
herrlich lachen konnte." (Helmut Sakowski)
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Der
Einstieg in dieses Buch war relativ schwierig. Die Autorin hat diesen
Roman ja über mehrere Jahre geschrieben, und die Konzeption wurde
immer wieder verändert, ihr eigenes Leben wirkte sich aus, mit diesem
Ben ist z.B. ihr Jon gemeint, usw. Was besonders eigenartig an diesem
Roman bei mir ankam, sind die Wechsel mitten in einem Satz von *Ich-Erzählung*
in Beobachter-Erzählung…..hm. Ich finde das ziemlich merkwürdig.
Aber habe ich auch bei anderen Schriftstellern schon bemerkt, z.B.
Max Frisch zeigt diese Eigenart in seinem Buch "Faber" auch so ähnlich.
Auch bei Per Olov Enquist kommt diese Eigenart vor. Ich habe diesen
Roman vor allem deshalb gelesen, weil ich zuerst ihre beiden Bücher,
wo ihre Tagebücher aufgezeichnet sind, gelesen habe. Und weil darin
immer wieder erwähnt wird, wie und was sie in Franziska Linkerhand
schreibt, und sie sich doch etwas schwer zu tun schien bei diesem
Roman. Und sie hat ihn so lange hinausgezogen, dass sie ihn nicht
mehr fertig stellen konnte. Beim letzten Kapitel fehlten nur einige
Seiten, dann wäre er fertig gewesen. So wird im Nachsatz lediglich
von ihren Bekannten erwähnt, wie sie sich den Schluss vorgestellt
hätte.
"….Aus Gesprächen mit Brigitte Reimann wissen wir,
dass sie prüfen wollte, ob einiges zu straffen, anderes auszubauen
sei, da sich die ursprüngliche Konzeption im Laufe der Zeit geändert
hatte. Was den Romanschluss betrifft, so wollte sie auf zehn bis
fünfzehn Seiten in dem letzten Kapitel (dem 15., nach dessen Anfang
der Roman jetzt abbricht) erzählen, wie es zu der "Flucht" aus N.
gekommen ist, und zugleich ausführen, warum die Heldin nach N. zu
Schafheutlin zurückkehrt und Trojanowicz (Ben), den sie liebt, für
immer verlässt. - (W.L.)"
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