Susanne Riedel

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Klappentext:
Seit Generationen lebt der Leghorn-Clan über dem Fluss Otsch, in einer wilden, betörend schönen Landschaft. Joas Vater, Caleb, hat sich in die Stadt abgesetzt, sein Bruder Zack, ein Holzfäller, ernährt die Familie. Calebs Tochter Joa ist dreizehn, als ihre Mutter wieder schwanger wird. Früh zieht Timpie die Hassliebe der Mutter auf sich. Sie frisst Dreck, verweigert das Sprechen. Mit fünf stürzt sie ihre Mutter von der Brücke in den Otsch und gilt als Mörderin. Viele Jahre später entdeckt Joa in einer Buchhandlung einen Gedichtband der siebzehnjährigen Timpie Leghorn. Wie die Schwestern einander wieder finden, wie Joa einer weit schockierenderen Wahrheit auf die Spur kommt und sich zuletzt des Mordes an Timpie bezichtigt, den ihr niemand glaubt - all das geschieht mit einer skandalösen Unausweichlichkeit: ein modernes Märchen über die Krankheit Familie.

Meine Zusammenfassung
So beginnt das erste Kapitel:
"In den letzten Januartagen, als die Menschen des Nachts wie lackierte Eiswürfel in ihren Betten lagen und nur manchmal mit einem leisen Klirren gegeneinander stießen, kam in den Bergen mein Onkel Zack zur Welt." - - - - - - ein paar Sätze dann weiter: "Dies ist die Geschichte von Timpie Leghorn und Zack. Es sollte eine unzerbrechliche Geschichte sein, aus den Dingen, die man am Rande der Lügen entdecken kann: Moos und Holunderbeeren, Kirchenlieder, ein blässlicher, geheimnisvoller Himmel, gefleckt wie ein Schwalbenei, die frühen Abende, an denen das Licht langsam wird und breit und golden." - - -

Joa, die Erzählerin dieser Geschichte, ist dabei ihre Lebensgeschichte zu überdenken, zu analysieren, und erzählt dabei u.a. auch ihrem Mann einige bzw. viele Sequenzen. Sie ist Ärztin, er ist Psychoanalytiker, beide sind selbständig und haben eigene Praxen.

An den beiden oben zitierten Auszügen ist zu sehen, in welcher Sprache die Autorin Joa berichten lässt. Alles oder das meiste mit Hilfe von Metaphern, angereichert mit imaginären Eingaben.
Ziemlich am Anfang ist schon bekannt, was in dieser Geschichte am Ende passiert, dennoch ist alles offen. Und dieses Wissen verhindert keinesfalls die Spannung, ganz im Gegenteil, interessant bleibt über die ganze Geschichte hinweg, wie es zu den einzelnen Tragödien kommen musste/konnte.

Ich bleibe jetzt bei meiner Zusammenfassung nicht bei der Chronik, die im Buch gewählt ist, sondern der Einfachheit halber erzähle ich den Inhalt so, wie ich ihn nach dem Lesen einzelner Kapitel erfasst habe.

Die Großeltern leben im Haus mit der Frau (Mutter von Joa) und Joa. Die Erzählerin ist Joa. Der Vater lässt sich nur selten sehen, und als er mal wieder da war, bleibt die Mutter schwanger zurück.
Als die Geburt von Timpie stattfindet, stirbt zeitgleich der Großvater. Timpie, ein ganz zartes Kind, ist anscheinend wenig geliebt. Die Mutter, ambivalent gegenüber ihren Kindern, und nicht fähig sie zu lieben, manchmal zärtlich zu ihnen, lässt sie doch sehr häufig ihren Frust an ihnen aus. Besonders Timpie wird von ihr regelrecht misshandelt.

Sie verprügelt Timpie zum ersten Mal, als sie ein Jahr alt ist. - - -- Joa sieht zu, - - "Mutters Kiefer knackten und rasselten sonderbar, wenn sie meine Schwester endlich schlug. Das war eine Erleichterung, man wusste, dass es bald vorbei war." - - -

Zack, Onkel von den beiden Töchtern, von der Mutter und auch der Großmutter regelrecht verehrt, ist ein Bruder des Vaters und lebt zusammen mit ihnen im Haus.

Timpie isst alles, was sie in die Hände bekommt: Steine, den Putzvon den Wänden, egal was, sie kaut es laut krachend und isst es.

Als Joa siebzehn ist und Timpie vier, sieht sie ihre Mutter mit Timpie über die Brücke über den kleinen Fluss unterhalb ihres Hauses kommen. Sie wird aber abgelenkt, betrachtet den Himmel und die Vögel. Als sie wieder hinguckt, sind beide verschwunden. - Sie rennt hinunter an das Ufer, Onkel Zack ist auch in der Nähe, er hatte Holz gehackt. Sie sieht dann, wie Timpie verdreckt und schlammbedeckt am Uferrand ist, und zieht sie aus dem Fluss. - Von ihrer Mutter ist nichts zu sehen. Sie schwimmt dann weiter, um sie zu suchen, und findet sie schließlich, leblos, ihr Körper hatte sich im Gestrüpp verfangen.
Sie hält in ihrer verkrampften Hand eine spitze kleine Schere. - Timpie hatte in ihrer geballten Faust einen Stofffetzen vom Kleid der Mutter. Die Mutter ist leblos. Die Großmutter und Zack kommen und rufen den Arzt, der den Tod feststellt.

Bei der Trauerfeier: "Mir wurde schwindelig, als der Raum sich mit Nebel füllte, ein Schiff, die Wellen stießen mich, Stimmen unterhalb meines Bewusstseins, ein Effekt wie Wasserfarben, die auf einem feuchten Blatt Papier zerlaufen. Alles wabert, entwich, das ist nur der Hunger, achte ich. Dann drehten sich die anderen plötzlich zum Eingang, in einer einzigen Bewegung, als wäre eine golden angepinselte, nackte Jungfrau auf der Schwelle erschienen. Es war mir egal, weil mich das Wort so sehr beschäftigte, das der Pfarrer nach der Kirche gebraucht hatte. Leichenschmaus. Mutter Körper, ausgeweidet, mit Speck und Zwiebeln gebraten." - - - -

Später wurde Timpie vom Hausarzt untersucht und es wurde das "Pica-Syndrom" festgestellt. So wird das genannt, wenn ein Mensch Sachen stiehlt, und sie dann aufisst. Umgangssprachlich werden solche Menschen auch "Schmutzesser" genannt.

Als Timpie eines Tages aus dem Fenster springt und sich schwere Verletzungen zuzieht, kommt die Ärztin ins Spiel, die Timpie betreut und auch bekannt gibt, dass Timpie ein hochbegabtes Kind ist.
Und während Timpie im Krankenhaus ist, und Joa sie besucht, spricht sie plötzlich wieder, nachdem sie vorher überhaupt nicht gesprochen hatte. Und zwar in Sätzen, die normalerweise ein Erwachsener benutzt.

Timpie sprach schon sehr früh mehrere Sprachen, die meisten hatte sie sich selbst angeeignet, u.a. Latein, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Englisch, Chinesisch usw. -

Die Ärztin und Onkel Zack freunden sich an, haben ein Verhältnis und die Ärztin hat quasi eine Schutzfunktion für Timpie inne. Joa hat ein sexuelles Verhältnis zu dem Pfarrer. Aber keine Liebe, sondern undefinierbar so eine Art Hass-Liebe. Und sie beendet das Verhältnis bald wieder.

Diese ganzen Begebenheiten erzählt Joa ihrem Mann, also in der Geschichte wechselt immer Gegenwart mit den Erzählungen aus der Vergangenheit.

Joa macht ihren Schulabschluss und möchte Medizin studieren. Sie nimmt sich eine Wohnung in der Stadt, und beginnt ihr Medizinstudium, wo sie auch ihren späteren Mann kennenlernt. - Als bei der Renovierung der Wohnung Timpie bei ihr ist und ihr helfen möchte, kommt es zu einem Zwischenfall; Joa verprügelt Timpie schlimm, und die beginnt wieder Dreck zu fressen; da kommt die Ärztin, also die Freundin von Zack, und rettet Timpie.

Jetzt gehe ich mal in großen Sprüngen weiter.

Joa ist mittlerweile verheiratet. Bei der Hochzeit verwickelte die 15-jährigeTimpie den alten Pfarrer in eine Diskussion über Gott und die Schöpfungsgeschichte, insbesondere die von Kain und Abel.

"Was nun?" sagte Timpie. "Ich versteh das jedenfalls nicht. Kain bringt sein Opfer, und Gott beachtet das nicht." Sie betonte die einzelnen Silben und sah den Geistlichen durchringend an, bis er die Brauen hochzog. "Ich meine, sagte sie, "was würden Sie denn tun, wenn Sie sich für jemanden den Hintern aufreißen, und er übersieht Sie wie ein totes Insekt? Und dann kommt Ihr opportunistischer Bruder und wird mit Manna und Ambrosia in den Himmel eingeführt." -
Der Geistliche nahm ein Glas von einem vorüberschwebenden Tablett und goss sich den Inhalt in die Kehle. "Genau", sagte sie, "Sie würden sich betrinken, würden sagen, fick dich ins Knie mein Lieber." - Er stöhnte. "Meine Güte" fuhr Timpie fort, Sie würden sagen: Sein Problem, soll er sich doch seine Schafe demnächst selber schlachten. Das würden Sie tun. Und wäre das Ihre Schuld?" -
Er antwortete nicht. "Ich meine" sagte sie, "das ist doch letztendlich die Frage." - - - "Warum macht Gott das" sagte Timpie. "In seiner grenzenlosen Güte? Warum stößt er Kain vor den Kopf?" -
"Weil Kain böse ist" sagt der Geistliche gehässig, "weil Gott weiß, dass er hingehen wird und seinen Bruder töten. Weil er ihm die Verantwortung für sich selbst gibt. Darum." - - - -- - -
"Das ist doch vorsätzlich" sagt Timpie. "Falls Gott weiß, dass Kain seinen Bruder tötet, wenn man ihn enttäuscht, warum enttäuscht er ihn dann überhaupt?" Sie zog eine Grimasse. ">Und wenn er es nicht weiß, warum ist er Gott? Und warum tut Ihr lieber Gott nicht, was er von Ihnen und mir verlangt? Warum sagt er nicht einfach danke zu dem armen Kain?" - - - - - "Warum also" sagt Timpie, "schafft Gott einen Menschen, der schlecht ist? Und warum bestraft er ihn, obwohl er ihn doch selbst erschaffen hat?" - - - - - - "Wissen Sie was ich denke?" sagt Timpie, "Ich denke, Gott tut das alles, weil er einen Schuldigen braucht. Es braucht immer das Schlechte, damit es das Gute geben kann. Kain, damit es Abel geben kann, den Teufel, damit es Gott geben kann." - - - - -
"So diskutiere ich darüber nicht", unterbracht sie der Geistliche, - - - - "du bist nur ein Kind, und Kinder…." - - "Gut" sagte Timpie freundlich, "dann erklären Sie mir doch bitte noch, was wohl Ihr netter Abel getan hätte, wenn Gott ihn auf seinen Schafen hätte sitzen lassen? Fragen Sie das Ihren Gott doch einfach, wenn Sie ihn das nächste Mal sehen." - - - -

Joa hat jahrelang vor ihrer Hochzeit keine Kontakte zu ihrer Familie gehabt und auch nicht gewollt. - Sie erfährt dann, dass Timpie bereits mit fünfzehn an der Uni eingeschrieben war, um Psychologie, Philosophie und Chinesisch zu studieren. Mit siebzehn hat sie das erste Studium bereits abgeschlossen. Und studierte bereits die nächsten Fächer.

Nach fünfzehn Jahren nimmt plötzlich Joas Vater Kontakt zu ihr auf, sie treffen sich in einem Café. Sie ist eine Stunde zu früh dort und geht in die Buchhandlung, die neben dem Café ist. a fällt ihr zufällig ein dünnes Büchlein in die Hände. Autorin: Thymia Sophie Leghorn. (Der Name Timpie war damals aus diesen beiden Vornamen entstanden. Sie blätterte und fand das Gedicht, das Timpie bei ihrer Hochzeit rezitiert hatte. Sie hatte damals gedacht, das ist ein Gedicht von irgendeinem Dichter. - Es war Pinkies eigenes Gedicht, unter vielen anderen.

Sie unterhält sich mit ihrem Vater (Caleb), und sie erfährt: Er ist nicht der Vater von Timpie, sondern es muss Zack sein. Ihre Mutter hatte aber noch einen Liebhaber gehabt, nicht nur Zack. Für sie sieht es so aus, als ob dieser fremde Mann der Vater von Timpie ist. Als die Mutter damals schwanger mit Timpie wurde, hatte sie zunächst eine Abtreibung geplant, sie kam dann aber wegen Terminüberschreitung nicht mehr in Frage. Caleb, der Vater, hatte seinem Bruder, Zack, das gesagt. Zack ist also der Meinung, dieser Fremde sei der Vater von Timpie. Joa ist mehr als erschüttert. Zack und sein älterer Bruder Caleb sehen sich so ähnlich, als ob sie Zwillinge wären.

Das alles erzählt Joa ihrem Mann. Joa fühlt sich schuldig, richtig krank, sie ist zermürbt von Schuldgefühlen und Erlebnissen.

Joa hat inzwischen selbst eine Tochter bekommen: Ruth. Sie liebt das Kind abgöttisch, aber auch sie beginnt, das Kind zu schlagen und zu misshandeln. Und auch Ruth zeigt diese Zeichen von Höchtsbegabung, spricht schon mit einem Jahr ganze Sätze wie Erwachsene.

Die Autorin schildern in dieser ganz besondern Sprache, welche Motive das sind, was gefühlt und ausgedrückt wird, mit diesen schlimmen Misshandlungen an Kindern, (es waren immer Töchter), die beginnen, als sie kaum ein Jahr alt sind.

Joa ist in ihr Elternhaus an diesem Fluss zurückgekehrt, es ist ihr unklar, wie lange sie dort bleiben möchte. Timpie, die Großmutter und Zack leben im Haus.
Als dann später für Joa bekannt wird, dass der "Fremde Vater" von Timpie eine Erfindung der Mutter war, und Zack der richtige Vater ist, und dazu auch noch kommt, dass Timpie und Zack jetzt ein Paar sind, ein sehr verliebtes Paar, das heiraten will, ist das für Joa nicht nur grausam wegen dieser Tatsache, sondern auch deshalb, weil sie die Wahrheit unbedingt Timpie sagen MUSS.

Joa hat inzwischen wieder Kontakt zu ihrem ersten Liebhaber, dem Pfarrer aufgenommen, er hat ihr erzählt, dass Timpie und Zack immer im Gottesdienst erscheinen, und er sagt deutlich, dass da Vater und Tochter sind, nicht in Erwägung ziehend, dass das ein Liebespaar sein könnte.

Joa steht nun vor der Wahl: soll Timpie erfahren, dass ihr künftiger Mann ihr leiblicher Vater ist, wenn sie sich beim Pfarrer für die Trauung anmelden, oder ist sie nicht verpflichtet, Timpie das selbst mitzuteilen.

Sie teilt das Timpie mit, als sie einen Spaziergang machen. Timpie lässt Joa alleine auf dem Weg zurück und verschwindet Richtung Haus. Joa geht später nachhause, aber Timpie ist nicht anwesend. Auch ihre Tochter Ruth, die ein sehr gutes Verhältnis zu Timpie hat, ist nicht zu sehen, aber sie legt sich hin, möchte sich ausruhen; sie hört zwar, dass in der Garage das Auto angelassen wurde, vermutet, dass Timpie wegfahren will. Wundert sich aber auch nicht, dass sie den Motor immer noch hört, als sie nach einer Weile aufwacht. Oder will sie es nicht hören? -

Warum sucht sie ihre Tochter Ruth nicht? Nach Stunden schließlich machen sie das Garagentor auf, der Wagen steht da mit laufendem Motor, drinnen sitzt Timpie - leblos. Auf dem Rücksitz, eingewickelt in eine Decke: Ruth. - Mit einem Schlauch hatte sie die Abgase ins Auto geleitet. - Beide sind tot. Es stellte sich später heraus, dass sich Ruth, ohne dass Timpie es bemerken konnte, in das Auto gelegt hatte, weil sie mit der Tante wegfahren wollte und sie wollte nicht gesehen werden, sonst hätte die sie vermutlich wieder ins Haus geschickt.

 

 

 

"Susanne Riedel (Pseudonym: Nelly Glimm, * 13. Mai 1959 in Unna) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Susanne Riedel absolvierte nach dem Abitur ein Volontariat bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung und war bis 1986 Mitglied der Redaktion dieser Zeitung.

1986 ging sie nach Berlin und nahm dort ein Studium der Politikwissenschaft auf.

Daneben arbeitete sie als Journalistin für den Rundfunk, anfangs für den linken Privatsender "Radio 100" und ab 1988 für das Jugendradio des Senders Freies Berlin.

Ab 1992 war sie als Redakteurin und Moderatorin für den SFB tätig.

Susanne Riedel ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums.

Sie erhielt 1999 ein Künstlerstipendium des Berliner Senats, 2000 den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt sowie 2002 den Wolfgang-Koeppen-Preis der Stadt Greifswald.

Werke:
Kains Töchter, Berlin 2000
Die Endlichkeit des Lichts, Berlin 2001
Eine Frau aus Amerika, Berlin 2003
Das Wasserjahr, Berlin 2004 (unter dem Namen Nelly Glimm)"

(aus Wikipedia entnommen)

 

Daten zum Buch:

ISBN-10:3-499-23029-1
ISBN-13:978-3-499-23029-5 Erschienen: 2001

Aus der Reihe:"rororo Taschenbücher Nr.23029" Seitenzahl:331

Beim Lesen kamen mir viele Ähnlichkeiten mit Elfriede Jelineks "Die Klavierspielerin" in den Sinn.

Auch hier geht es um "Nichtlieben", "sich-selbst-Verletzungen-hinzufügen" usw.

Oder auch, seitenverkehrt, um zu große Liebe, die sich so äußert.

Die Autorin geht einen sehr interessanten Weg mit ihrer Geschichte. Und erzählt sehr spannend diese sehr makaberen Geschehnisse.

Sie lässt z.B. die Frauen immer Töchter bekommen, und die Frauen wissen bereits, sofort als sie schwanger werden, dass es eine Tochter ist. -

Alleine die Beschreibungen, die bildhaften Adjektive für Gegenden, Situationen und Handlungen sind schon mehr als interessant - aber auch schon ziemlich verrückt. -

Die Autorin lässt die Protagonistin aus der Perspektive einer Neurotikerin erzählen. Mythus und Wahrheit werden vermischt. Reales wechselt mit imaginären Bildern, was Einbildung und was grade wirklich ist, ist schwer zu unterscheiden.

Die Katastrophen reichen sich aneinander, werden zum Ende hin immer mehr und mehr, und eine Steigerung kaum vorstellbar.

Für mich hat die Autorin von wahren Begebenheiten und Geschichten neurotische und psychotische Gegebenheiten benutzt, um eine solche grauenhafte Geschichte zu schreiben.

Eine solche Schilderung, vor allem der mystischen Betrachtungsweise über diese in Wirklichkeit vorkommenden Misshandlungen, die sich scheinbar unendlich fortsetzen, war sprachlich vermutlich nur genau in dieser Art der Autorin herzustellen.

Die sexuellen Verhaltensweisen dieser drei Frauen schildert die Autorin ohne Tabus, und auch sie muten außergewöhnlich an und stellen eine Verbindung her zu den Misshandlungen der Töchter, die sie eigentlich abgöttisch lieben, oder das zumindest glauben.

Warum schreibt eine Autorin einen solchen Roman?

Diese Frage habe ich mir oft beim Lesen gestellt.

Wieso liest man, bzw. in diesem Falle ich, so einen Roman. Bei mir war es Neugierde. Und der Anfang war interessant, und wurde immer spannender, aber immer grausiger.

Und wenn der Roman nicht so einen ernsten, grauenhaften realen Hintergrund hätte, könnte man ihn als Thriller bezeichnen.

Vielleicht ist das Lesen dieses Romans für Betroffene ganz hilfreich. Aber es wird nicht einfach sein, weil - und das wird in diesem Roman sehr deutlich - Psychose und Neurose unausbleiblich sind (bei solch erlebten Misshandlungen), und der Therapie bedürfen. Ob das Lesen dieses Buchs vor einer solchen Therapie heilsam ist, weiß ich nicht.