Tilmann Röhrig

Meine Zusammenfassung:

Til Riemenschneider, zunächst nur einfacher Bildschnitzer und Bildhauer, ist auf der Reise als Handswerksgeselle und bekommt Arbeit bei der angesehenen Witwe Anna in Würzburg, Besitzerin des Wolfmannziechnleinhofes. Sie nimmt ihn als Mann und so wird er Bürger, Meister und Besitzer der Werkstatt im Wolfmannziechnleinhof. Es sind drei Söhne da und einige Gesellen, die in der Werkstatt arbeiten. Gemeinsam bekommen sie die Tochter Gertrud.

Tilmann ist versessen auf seine Arbeit, möchte Figuren schnitzen, wie so sonst nicht zu sehen sind, sie sollen leben, sollen was aussagen, und vor allem sollen sie nicht bemalt werden, sondern es soll alles im Schnitzwerk so herausgearbeitet werden, dass Farbe unnötig ist, bzw. von ihm auch rigoros abgelehnt wird.
Er hat den einen Auftrag, die Figuren für eine Kapelle in Würzburg zu gestalten, und zwar Adam und Eva. - Er hat seine eigenen Vorstellungen, sucht sich Modelle; und da Adam und Eva nackt sind, möchte er genauso auch seine Figuren gestalten. Und sucht sich ein Modell für die Eva, den Adam hat er schon..
Das findet er in der Frau eines kleinen Bauern, der er zufällig am Bach begegnet. Er weiß sofort: Das ist meine Eva!!!! Sie sollte Zeit seines Lebens seine Eva bleiben.
Die Statuen vor der Kapelle werden fertig gestellt, und nach anfänglichem Ablehnen, weil Adam und Eva nackt zu sehen waren, wird es aufgestellt, die Ratsherren können dem allgemeinen Urteil der sonstigen Bewohner zum Trotz das durchsetzen. Einzige Bedingung war von Tilmans "Eva", Magdalene, dass ihr Gesicht nicht zu erkennen ist.
Nachdem Magdalenas Mann von den damals agierenden "Blutzapfen" gefoltert worden war, seines gesamten spärlichen Besitzes beraubt, sich selbst erhängt hatte, war Magdalena Witwe geworden, ihre ärmliche Bauernkate zerstört, alle Vorräte und Tiere hatten die Blutzapfer mitgenommen, kam sie zunächst bei ihrem benachbarten, ebenso armen Schwager und seiner Familie unter. Sie war schwanger.
Tilman und Magdalene trafen sich, er hörte von ihrem Unglück und auf seine Intervention hin bekam sie eine Bleibe bei der Apothekerfamilie im Ort, wo sie auch ihren Sohn, Florian, zur Welt brachte.

Tilmanns Frau Anna stirbt, Magdalena hat er inzwischen bei sich auf dem Wolfmannziechnleinhof als Magd untergebracht, wo sie arbeitet, aber mit ihrem Sohn im Ort wohnt. Dass er Magdalena, seine "Eva" liebt, ist klar, und auch sie liebt ihn. Aber eine Verbindung zwischen Til und Magdalena ist schlicht unmöglich. Ihre Liebe bleibt platonisch, mehr als kleine Berührungen kommen nicht vor.

Riemanns erste Frau stirbt, er heiratet wieder, auch eine Anna, seine neue Frau bringt noch 4 Waisen ihres Bruders mit in die Ehe. Sie bekommen noch zusammen drei Jungen und eine Tochter, die Katharina. Nachdem auch diese Anna verstorben war, heiratet er Margarethe Würzbach, eine kalte, böse Frau. Sie haben zusammen keine Kinder.
Und Magdalena hatte immer gehofft, dass sie und Tilman irgendwann mal ein Paar werden; da das nach einem Gespräch als aussichtslos gilt, heiratete Magdalena dann auch selbst, und zwar einen Gesellen und Witwer, der bei Tilmann arbeitete. Sie führen auch eine gute Ehe,
Florian ist inzwischen ein junger Mann geworden. Leider erweist er sich als faul, und nicht nur das, sondern er hat sich dem Spielmann Bermeter angeschlossen, einem Hurenbock und Spieler.

Katharina, die Tochter von Tilman und Florian, der Sohn von Magdalena, die als Kinder zusammen aufwuchsen und unzertrennlich waren, verlieben sich und haben eine Liebschaft. Was ein furchtbares Unglück ist. Und die bösartige Margarethe, Tilmans dritte Frau, intrigiert und möchte auch die Magdalena und ihren Sohn Florian loshaben. Tilman hat aber ein Gespräch mit Magdalena, und er glaubt ihr, dass sie davon nichts gewusst hat, und das auf keinen Fall forciert hat, wie von Margarethe behauptet. -
Sie kommen überein, dass die beiden heiraten können; zwar nicht in Würzburg, sondern in einem anderen Ort, wo es nicht alle Bürger Würzburgs mitbekommen; Tilmann lässt die verwahrloste Kate von Magdalena wieder aufbauen, und das gibt das neue Heim des jungen Paares Katharina und Florian.

Diese böse Katharina stirbt schließlich, und Tilman ist wieder Witwer. Als angesehener Bürger braucht er wieder eine standesgemäße Hausfrau, und wie auch schon die vorherigen drei Frauen, kam er durch Übermittlerin einer Bürgersfrau zu seiner vierten Frau. Sie eine sehr viel jüngere Frau, sehr verwöhnt, kindisch und kindlich, und sie hat weder zu ihrem Ehemann noch zu seinem Schaffen eine Beziehung.
Auch Magdalena erkennt das gleich, und im Haus von Riemenschneider ist Magdalena zwar nur die "erste Magd", aber die engste Vertraute des Meisters.
Während die Bürger die Bauernkrieger abschlachten, ist auch der Mann von Magdalena ein Opfer, sie ist jetzt Witwe.
Als schließlich Riemenschneider nach der für die Bauern erfolglosen und blutigen Schlacht verhaftet, eingekerkert, gefoltert und verurteilt wird, befindet sich seine junge Frau bei ihren Eltern, Magdalena aber ist, wo es möglich ist, an seiner Seite. Riemenschneider gehörte zwar nicht zu den Bauernkriegern, aber er wird beschuldigt, sie begünstigt zu haben. Während seiner langen Haft interessiert sich seine junge Frau nicht für ihn, kommt nur mal in Wolfmannsziechlein, will ihr Vermögen und alles Geld haben, was ihr aber Magdalena verweigert. Sie zieht wieder ab und wird nie mehr ein Würzburg gesehen.
Riemenschneider kehrt schließlich nach langer Haft, zerschunden und an Körper und Geist schwer beschädigt, nach Würzburg in sein Haus zurück, wo Magdalena alles wieder eingerichtet und geordnet hatte, nach den Verwüstungen während des Krieges in Würzburg. Aber Riemenschneider erlangt nie mehr seine handwerkliche Fertigkeit, er versucht es, und auch noch nach 2 Jahren ist er nicht imstande, wieder Stein oder Holz zu bearbeiten, außer gewöhnliche Arbeiten, wie Särge zimmern usw., zu verrichten in seiner Werkstatt.
Auch Magdalenas Sohn Florian war verhaftet worden und es ist unklar, ob er noch lebt und wo er eingesperrt ist. Das Kind aus der Verbindung von Katharina, der Tochter Riemenschneiders, und Florian, des Sohnes von Magdalena, war längst geboren und Mutter und Großmutter tauften den kleinen Sohn Tilmann. Er war so rotgelockt wie der Großvater.
Riemenschneider und Magdalena leben jetzt im Wolfmannsziechlein ohne angetraue Hausfrau, damals Herrin genannt, und agieren im besten Einvernehmen. Magdalena ist die größte Stütze von Tilmann, wie schon immer. Und sie sind beide glücklich mit ihrem Enkel Tilmann.
Nach weiteren Jahren kehrt dann auch Florian endlich zurück aus der Haft; und aus dem Spieler und Faulenzer ist ein ernster Mann geworden, der schwört sich jetzt um seine Familie zu kümmern, und sein vorheriges Leben nicht mehr aufzunehmen. Er hatte sich dem Spielmann Bermeter angeschlossen, der raffiniert intrigriert hatte zwischen den Bauernkriegern und den Bürgern von Würzburg, und genau auf die Aussage dieses Bermeter hin war Riemenschneider ja angeklagt und verhaftet worden. Bermeter hatte unter Folter seinen Vorteil gesucht und Riemenschneider nicht entlastet. - Aber es nützte ihm nichts, er konnte seiner Hinrichtung nicht entgehen.
Florian übernimmt nun die Arbeiten, die Magdalenas Mann, Florians Stiefvater, begonnen hatte, einen Weinberg aufzubauen und als erster Knecht im Wolfmannsziechlein.

Als sie eines schönen Sommertages auf dem Weg zum Weinberg sind, Riemenschneider, Magdalena und der kleine Til, geht Riemenschneider voraus, setzt sich auf eine Bank, blickt über seinen Weinberg, und stirbt. Eine Rehabilitation hatte Riemenschneider nie erfahren.

 

 

 

 

 

 

Tilman Röhrig: Riemenschneider 621 Seiten, gebunden Herausgegeben: 2007 piper-verlag

 

Zum Autor:
(Dem Klappentext entnommen)

"Tilman Röhrig, 1945 in Hennweiler/Hunsrück geboren, lebt in der Nähe von Köln.

Nach seiner Ausbildung zum Schauspieler und Engagements an mehreren deutschen Bühnen arbeitet er seit über drei Jahrzehnten als freier Schriftsteller.

Die größten Erfolge brachten ihm seine historischen Romane, die allesamt Bestseller und vielfach übersetzt wurden.

Für sein literarisches Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. u.a. mit dem Großen Kulturpreis NRW."

 

Das war die Geschichte mit Riemenschneider und Magdalena (seiner Eva)Gut, ohne Einflechtungen der Geschehnisse, die daneben geschildert werden.

Da kommt es zu einem Treffen von Martin Luther, dessen Thesen mittlerweile angeschlagen worden war. Er ist zu Gast in Würzburg und lehne die Bildnisse der Maria und der Apostel ab. Martin Luther hat andere Vorstellungen von Gott, und nicht die, dass diese Figuren angebetet werden sollen, oder sie gar um Vergebung der Sünden anzuflehen. - Tilman ist erschüttert und erbost. Seine mit soviel Liebe und Genauigkeit einmalig hergestellten Figuren in Stein und Holz sollen Sünde sein ??

Die Zusammenfassung für dieses Buch fällt nicht leicht. Es beinhaltet neben den Hauptfiguren, also Tilman Riemenschneider und seiner vielköpfigen Familie in Würzburg, auch gleichzeitig die zeitgleich stattfindenden Aktionen des damaligen Königs Maximilian, der sich zum Ziel gesetzt hatte, nicht nur Kaiser des damaligen Römischen Reiches zu werden, sondern auch noch Papst werden wollte. Seine kriegerischen Aktionen sind beschrieben, die Situationen in Rom und eben viele Einzelheiten über seine Familie und Person.

Einen großen Raum nimmt auch die Schilderung der Aktionen und Männer der Kirche und Herrscher ein. z.B. Martin Luther, Rudolf von Scherenberg, Konrad von Thüringen, Maximilian von Habsburg, später Kaiser.

Weiter daneben: Die Bauernkriege, mit ihrem Obersten Feldherrn Georg Truchsess von Waldburg, des Ritter Götz von Berlichingen mit seinem Knappen Thoma und seinem Sekretär Sinterius.

Die damals Ende 15./Anfang 16. Jahrhunderts gegründete Bundschuh-Vereinigung, die vom Badischen und Württembergischen aus agiert, mit seinem Führer Fritz Joß.
Die Schilderung der ganzen Agitationen der in mehreren Gruppen unterteilten Bauernkrieger, der Gegenschläge der kirchlichen wie auch *bündischen* Vereinigungen der Reichen und Adligen nimmt einen großen Raum ein.

Interessant sind die die geschilderten Fehden zwischen den einzelnen Bauernvereinigungen. Als Führer hatten sich einige ja auch Ritter genommen, ein solcher war z.b. der Götz von Berlichingen.

Der Bauernkrieg endet 1525 schließlich sehr blutig, tausende von Bauern wurden abgeschlachtet. Das Denunzieren ist an der Tagesordnung, nur um den eigenen Hals zu retten. Aber: die Adels- und Kirchenherren, in deren Hände sich ja der ganze Besitz befand, hatten mal wieder gesiegt.

 

Die Geschichte um Tilmann Riemenschneider ist wohl der Hauptinhalt, nimmt auch einen großen Raum ein; aber die ganzen daneben, zeitgleich stattfindenden Ereignisse werden kapitelweise dazwischen geschildert.

Wem die oft seitenlangen Schilderung auf Kriegsschauplätzen kann diese Kapitel zwar überlesen, aber dann fehlt der Zusammenhang und einige wichtige Einzelheiten, die wiederum Riemenschneider betreffen.

Im Übrigen sind auch diese ganzen Aufstände der Bauern und auch die Agitation der "Oberen" sehr interessant. Oder auch der Kirchenherren damals, wo ja jeder Kirchenmann auch ein Staatsmann war, also viel Macht besaß. -

Das mal ganz kurz angerissen -.

Um noch mal auf die Verhaftungen, Vernehmungen, Verhörmethoden, Folterungen usw. der Sieger zurückzukommen:
Die Folterungen waren grausam, und auf eine genaue Schilderung verzichtete ich hier mit Absicht.
Dieses Buch ist nicht nur zeitgeschichtlich hochinteressant, auch die vielen Schilderungen bekannter Personen ist sehr ausführlich, z.B. Martin Luther oder Götz von Berlichingen, um nur mal zwei herauszugreifen.

Und spannend ist es von der ersten bis zur letzten Seite. Und trotz seiner 621 Seiten wird das Lesen niemals langweilig, sondern fesselt bis zum Ende.