Herbert Rosendorfer

Meine Zusammenfassung
Anton, Finanzbeamter, der immer nur in Untermietzimmern wohnt, alleine - keine Familie usw. - hat sich eingerichtet, führt sein Leben, lebt als Untermieter bei einer Familie, die eine gestörte Tochter hat, die nur nackt herumlaufen kann, wo die Frau sich total dem Mann unterordnet, und er dann ab und zu einen Fernsehabend bei dem Chef der Wohnung verbringt.
Alles trist, altmodisch, verstaubt, spießig.
Der Schilderung dieser Situation widmet der Autor einige Seiten.

Aber eines Morgens wacht Anton auf, und es ist alles still. Er geht in der Wohnung umehr, niemand ist da. Auch die Tochter nicht in ihrem Zimmer. - Er geht im Haus herum, auch dort ist niemand. Auf der Straße ist auch alles ruhig. Es ist absolut kein Mensch weit und breit zu sehen. -
Für ihn zunächst unverständlich, logisch. Er stellt bald fest, dass er der einzige Mensch in der Stadt sein muss. Macht sich zunächst in der Wohnung zu schaffen, was nicht aufgeht, bricht er auf, im Nu ist die Wohnung ein einziges Chaos. Alleine das ist schon derart humorig geschildert, wo der Leser denkt, was kann da noch kommen - - - - -. - Und es kommt noch, und zwar viel mehr.

Er geht in die Stadt, Hunde hasst er, trifft aber einige. Vögel gibt's noch, und auch einige Katzen. Und auch alle möglichen Tiere begegnen ihm - zunächst nur übliche, die in Wohngegenden vorkommen, später aber auch Pferde, Kühe, Mäuse, Ratten, Hasen, alles was so keucht und fleucht.
Aber eins nach dem andern.
Er beschließt dann, aus der Wohnung auszuziehen und in das Hotel zu ziehen, und bewohnt dann dort eine Suite. Die Hotelküche benutzt er, Vorräte sind genug da. Auch dort ist im Nu ein Chaos. Aus einem Bekleidungsgeschäft holt er sich was er braucht, aus allen Geschäften bedient er sich, bricht eben die Türen mit einem Brecheisen auf oder schlägt die Scheiben ein. Zu Lesen besorgt er sich aus der Bibliothek. Ist ja alles da, Türen öffnet er mit einem Beil, das er irgendwo gefunden hat.

Auch Gewehre hat er gefunden irgendwo. Dazwischen versetzt er sich immer in einige Leute, die er kannte, oder deren Autos oder was auch immer er kennt. - In einem Geschäft kramt er herum, und findet dort in einer Kiste einen ganzen Briefwechsel zwischen zwei Leuten. Ein letzter Brief, der ist sehr geheimnisvoll, da wird von etwas geschrieben, das nahe dran ist, erkannt zu werden, aber es ist nicht ersichtlich um was es genau geht. - Also geht er dieser Sache mit diesem Brief nach. - Tage und Wochen vergehen, er liest alle, hat zu allem seine eigenen Hirngespinste, die unglaublich humorig sind, aber doch immer einen philosophischen Inhalt haben.

Es wird immer kunterbunter, er hinterlässt überall Chaos, besonders als es dann Winter wird, und er beginnt sämtliche Holzteile zu verheizen, also da werden Türen, Einrichtungen, einfach alles zerhackt und verheizt, im Hotel isst er täglich an einem anderen Platz, es waren ja zig Tische gedeckt. - Frisches Fleisch beschafft er sich dann so, er schießt ein Reh, das er dann in der Küche gart, und daran wochenlang isst. - Ganz am Schluss ist er das dann roh.

Die Briefe und besonders der letzte bestimmen jetzt sein ganzes weiteres Dasein, er will/muss wissen, was da gemeint war. Er macht sich auf den Weg, Führerschein hat er nicht, macht nichts, auf den Straßen ist weder ein anderes Auto noch irgendein Mensch. Er nimmt sich Autoschlüssel aus irgendeiner Wohnung, wo davor ein Auto steht, und fährt damit - ist der Tank leer, muss er ein anderes nehmen. Hunde die ihm über den Weg laufen, erschießt er einfach, weil er Hunde hasst, bzw. Angst vor ihnen hat.
Er fährt dann zu einigen Personen, bzw. ihren Wohnungen, die im Brief erwähnt werden, kommt der Sache aber nur sehr langsam näher.

Er sinniert dann, was ja sehr interessant ist: z.b. sagt er sich, wenn er der einzige Mensch auf der Welt ist, dann ist er auch Weltmeister in allen Disziplinen, ist Regierungschef, einfach alles. Und letztendlich: auch der Papst. - - - -

Er geht dann - es sind einige Monate vergangen, durch die Stadt; überall kommt das Unkraut zwischen den Pflastersteinen hervor, alles in den Gärten überwuchert, und da auch ein großes Unwetter war, sind einige Dächer eingestürzt, auf den Straßen liegt Schutt herum, und überall wuchert es, überall sprießen Bäume und Sträucher wild durch die Gegend.

Es gibt seitenlange Überlegungen über Gott, wenn es ihn gibt, ob es ihn gibt, und warum das und warum das andere nicht ist.

Das alles zieht sich über viele Seiten hin, und gipfelt am Ende dann darin, dass er zum Schluss kommt, dass eigentlich er auch Gott ist.

 

 

Verlag: Nymphenburger

2007 * 3. Aufl. * Ausstattung/Bilder: 317 S. Seitenzahl: 317

Deutsch

ISBN-13: 9783784431253

ISBN-10: 3784431259

 

"Herbert Rosendorfer, 1934 in Bozen geboren, 1939 nach München umgezogen, studierte an der Akademie der Bildenden Künste, wechselte danach zum Jurastudium.

Seit 1969 zahlreiche Romane und Erzählungen sowie Theaterstücke.

Professor für Bayrische Literaturgeschichte an der Universität München.

Nach seiner Tätigkeit als Richter lebt er wieder in der Nähe von Bozen.

2005 erhält er den Literaturpreis der Stadt München."

(dem Klappentext entnommen)

Liest sich das Buch am Anfang nur ziemlich witzig, wird es zunehmend zweidimensional, also da ist zwar der umwerfende Humor, aber auch ein unglaublich formulierter philosophischer Aspekt impliziert.

Es ist ja nicht nur die vordergründig erzählte Geschichte dieses Antons. Sondern was er alles über eine ganz breite Palette von Menschen erzählt. Wie sie wohl denken mögen, was sie wohl warum tun werden oder getan hatten, und das alles ist schon unglaublich spitzfindig, humorig, hintergründig geschildert.

Rosendorfer ist ein großer seines Fachs, und seine Bücher sind sicher alle sehr lesenswert, wenn auch nicht nacheinander, aber zwischendurch auf jeden Fall. Sie regen sehr zum Nachdenken an, weil hinter allem was er erzählt, Wahrheiten stecken, beobachtete Verhaltensweisen seiner Umwelt stecken, die er eben auf unnachahmliche Weise versteht zu inszenieren.