Raymond A. Scofield
Der Jadepalast

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Meine Zusammenfassung Es ist eine Geschichte von vielen Familien, Frauen und Männern, während des 20. Jahrhunderts. Es beginnt während der Zeit, als in China nach dem Versailler Vertrag China u.a. von Franzosen, Engländern usw. beherrscht wurde; aber nicht nur das, das Feudalsystem war auch bei den Chinesen selbst aktuell. D.h. es gab sehr, sehr reiche Chinesen, und sehr, sehr arme Chinesen. Die beiden Protagonistinnen, mit denen der Roman beginnt, gehören zur armen Schicht, sie wurden verkauft - auch das üblich zu dieser Zeit - und wurden von einem Menschenhändler angeboten in großen Städten, wo sie als Hausangestellte, aber auch als Blumenmädchen (käufliche Frauen) arbeiten mussten. Sie hausten unter den erbärmlichsten Bedingungen, hatten meistens nichtmal einen eigenen Schlafplatz, führten ein grausiges Leben. Ma Li, die Hauptprotagonistin, wird zusammen mit ihrer zwergwüchsigen Schwester an ein Ehepaar verkauft. Ein sehr reiches Ehepaar. Sie waren nicht nur die obersten Bosse der von mir mal Mafia genannt, sondern auch noch hohe Regierungsrepräsentanten mit sehr viel Macht.

Sie, die Frau, war die Frau in Shanghai, die die Bordelle hatte, aber auch u.a. das ‚Scheißgeschäft' von ihrem Vater übernommen hatte. Also sie holte die Kloake ab und verkaufte sie wiederum sehr teuer an die Bauern als Düngemittel. - Sie war unendlich reich. Sie selbst hatte keine Kinder, ihre Ehe war eine reine Vernunftehe, auf rein geschäftlicher Basis. Und genau sie hatte an Ma Li einen Narren gefressen, die verkrüppelte Schwester nahm sie in Kauf. Aber genau dieses kleine Ding fand einen Eingang in das Herz dieses korrupten und verbrecherischen Geschäftemachers, ihres Mannes. Ein weiteres Mädchen, das auch bei diesem Mädchenhändler bei ihnen war, wurde von diesem Ehepaar nicht genommen. Sie kam in eine weitaus schlechtere Gesellschaft, von ihr wird später noch sehr viel zu lesen sein.

Die politische Situation wird - für mich jedenfalls - sehr interessant geschildert. Es war die Zeit, als Mao Zedong, zusammen mit den ganzen anderen Genossen, (zunächst als Anführer der Bauernbewegung (Mao Zedong, Zhou Enlai, Lio Shaqui und Deng Xiaping) sich etablierte und begann, eine kommunistische Partei zu gründen. Ziel war zunächst, auch für viele der Bevölkerung, die unterdrückt, bettelarm, geschunden von den eigenen Großmoguln, dieses Feudalsystem zu vernichten. Weiteres Ziel des Hasses war der gegen alle Ausländer, die sich in China tummelten und die gemeinsames Geschäft mit den reichen Chinesen machten. -

Das alles ist sehr genau und hintergründig beschrieben, und in diesen ganzen politischen Umwälzungen sind natürlich die Protagonisten eingebunden.
Alle Geschichten jetzt nach zu erzählen, ist müßig, und auch nicht nötig. Jede einzelne ist sehr abwechslungsreich, geprägt sehr oft von Hass, Macht, aber auch von zarter Liebe.

Einen Ausschnitt möchte hier mal zeigen: "Hongkong, 11. August 1966:
…….und das Plakat da - was soll das denn heißen? Nieder mit den Rennenden Hunden des Kapitalismus! Wer, zum Teufel, denkt sich denn solche blöden Schimpfworte aus? - Rennende Hunde? Weißt du was das heißen soll? Sind wir jetzt etwa alle rennende Hunde? ----- Benjamin legte das Buch, auf das er sich ohnehin nicht konzentrieren konnte, beiseite und trat ans Fenster neben seinem Sohn. Xiao Tang schob sich trotzig seine Zigarre in den Mund und paffte, bis dicke Rauchwaden aufstiegen - rennende Hunde - er lächelte böse……"

Benjamin Liu war der Sohn eines früheren Geld-Großmoguls, Ma Li hatte ihn in Amerika kennengelernt, als sie, wie damals viele Kinder wohlhabender Chinesen, in Amerika studiert hatte, und dessen Vater auch auf sehr korrupte Weise an das Vermögen eines wiederum anderen, eines Engländers, gekommen war. - Das wusste er allerdings nicht.

Ma Li hatte Benjamin dann geheiratet, als ihr Geliebter getötet worden war. - Als sie einmal mit Benjamin durch die Fabriken seines Vaters gegangen war, und beide mal gesehen hatten, wie es dort zugeht, und Benjamin sofort reagiert hatte, die Bedingungen usw. geändert hatte, stieg er in ihrer Gunst plötzlich, wobei das eigentliche schon vorher geschehen war, als er beherzt eingegriffen hatte, als sie unterwegs Zeuge wurden, wie ein Chinese seinen Bediensteten, einen kleinen Jungen, auf der Straße grade totprügeln wollte. Ma Li hatte bereits einen Sohn, und zwar von dem Anhänger der jungen Kommunisten, der ihre große Liebe gewesen war. - Als sie Benjamin heiratete, nahm dieser ihren Sohn sofort als seinen Sohn an, sie bekamen dann noch eigene Kinder. Aber ihre große Liebe war immer der junge Kommunistenanführer geblieben.

Hatten zunächst diese jungen Kommunisten die Idee, einem Anhänger von Mao zuzulaufen, weil sie gemeint hatten, dieser wäre nur zum Schein, und dieser würde dann eben für einen normalen Demokratie-Aufbau Sorge tragen. - Es hatten sich alle getäuscht. Zunächst war es ja primär darum gegangen, diese übelsten Bedingungen der Arbeiter in diesen Fabriken, aber auch dieser ganzen Blumenmädchen und leibeigenen Frauen zu verbessern.
Diese Geschichte nahm dann mehrmals radikale Wendungen, plötzlich wurde alles umgestülpt, die die Macht hatten, waren plötzlich in den Gefängnissen, die die vorher in Gefängnissen saßen wurden plötzlich befreit. Und inmitten dieser oft unbeschreiblichen Vorkommnisse dann diese Frauen. -

 

 

Der Autor
"Raymond A. Scofield, eigentlich Gert Anhalt, arbeitet beim Zweiten Deutschen Fernsehen und hat viele Jahre als Asien-Korrespondent für den Sender gearbeitet.

Gert Anhalt, Jahrgang 1963, studierte Japanologie in Marburg und Tokio und berichtete zehn Jahre für das Zweite Deutsche Fernsehen aus China und Japan. Seine bisherigen Krimis mit dem Helden Hamada Ken waren beide für den Glauser-Krimipreis nominiert.

 

Kurzbeschreibung des Verlags:

China zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als die 12jährige Ma Li von einem Mädchenhändler nach Shanghai gebracht wird, hat sie einen großen Traum. Mit ihrer zwergenwüchsigen Schwester will sie im Jadepalast - dem Ort der ewigen Schönheit - wohnen, den ihre tote Mutter ihr so oft beschrieb. Doch sie findet sich im Haus eines stadtbekannten Gangsters wieder. Sie verliebt sich in einen Revolutionär, heiratet jedoch einen reichen Fabrikbesitzer, der ihren eigenwilligen Traum vom Jadepalast teilt. Ein bunt schillerndes Epos über das Schicksal einer Frau - und über ein exotisches, zerrissenes Land, in dem Glück und Tragik eng beieinander liegen.

 

Buchdaten:

ISBN-10:3-352-00716-0 EAN:9783352007163 Erscheinungstermin:2005 Verlag:Rütten & Loening Einband:gebunden Sprache:Deutsch
Seiten:544

Meine abschließende Meinung
Selten habe ich ein Buch gelesen, das so umfangreich die Geschichte von China Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Jahrtausendwechsel und auch noch danach beschrieben hat. Die Geschichte - insbesondere einiger Frauen - ist hochinteressant, und immer am Puls der grade aktuellen Zeit. So führt der Roman auch vom Kindesalter der Mädchen bis in ihr hohes Alter, teilweise bis zu ihrem Tod.

Es geht um Generationen, aus den verschiedenen Schichten. Was besonders auffällt, sind diese unglaublichen Hochs und Tiefs. - So ist eine Frau plötzlich ganz oben mit sehr viel Macht, aber durch grauenhafte Korruption und Machtspielchen landet sie plötzlich in der Gosse, schlimmer geht's nicht. - Um dann, irgendwann später, genauso plötzlich wieder nach oben zu gelangen, wiederum durch Manipulationen einiger Seilschaften, die eine ungeheuerliche Rolle spielen. Und genau diese Frau spielt dann noch übler anderen mit, es ist schlicht nicht zu überbieten, was da den einzelnen Protagonisten so einfällt.

Rache spielt bei allen Geschichten eine sehr große Rolle. Da gibt es Szenen, wo - später, als es den Kommunisten an den Kragen geht - Ma Li ihren Geliebten sucht, und vor seinem Haus seinen abgetrennten Kopf findet, der aufgehängt ist, sein Rumpf liegt im Dreck und seinem Blut. Aber solche Szenen, auch Folter, wird grauenhaft beschrieben und immer wieder thematisiert….

Der ganze Wechsel, zunächst unter bzw. mit Mao, dann der große Wechsel stattfindet. Wo die ganzen Leute nach der Machtergreifung der Kommunisten, dann der Säuberung unterzogen werden. Aber auch hier, wie eigentlich schon seit Jahrhunderten, die Machtlosen Opfer sind. Korrupt waren auch die Maoisten, sie hatten gute Vorbilder; und der Hass gegen den Imperialismus, vor allem aber gegen die ganzen Ausländer, der von Mao gesteuert wurde, wirken sich grauenhaft aus. Später dann, wie wir alle wissen, wurde auch diese Macht dann wieder eingeschränkt, als China zur Wirtschaftsmacht evaluierte. Hongkong - von Shanghai waren zahlreiche Geldmagnaten - darunter auch Kommunisten - nach Hongkong gezogen.

Was sich über die komplette Geschichte hinzieht, ist immer wieder die Korruption, egal von welcher Seite, die Verknüpfung von Regierung zu Verbrecherbanden, die einzelnen Menschen, die grausam agierten, wenn es darum ging, ihre Rachegelüste zu befriedigen.

Insgesamt ein ungeheuer spannender Roman, mit den ganzen geschichtlichen Hintergründen, die der Autor sehr gut kennt. Ein Leseerlebnis nicht nur für Frauen, wegen der zahlreichen bzw. einzelnen Liebesgeschichten, sondern vor allem auch die Einflechtung dieser in den geschichtlichen Hintergrund von China im 20. Jahrhundert.