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Inhalt:
Alleine schon die Überschrift bewog mich, in das Buch hineinzusehen.
Ein Traum für alle Touren-Radler, diese riesige Fahrradtour durch
Afrika. Das verspricht Abenteuer pur!!
Zunächst bereitet sie sich vor, nachdem sie im Britischen Museum
in London zu dieser Tour inspiriert wurde. Sie lässt sich ein Fahrrad
ganz nach ihren Wünschen bauen, mit allem was nötig ist für eine
solche sehr ungewöhnliche Fahrradtour. - Und zum Schluss lässt sie
den Rahmen knallrot lackieren. Auch die Planung des Gepäcks bedenkt
sie sehr genau, stellt alles zusammen, prüft das Gewicht, lässt
sich passende Satteltaschen anpassen, mehr als 30 kg soll das Gesamtgewicht
des Gepäcks nicht sein. Sie listet alles auf, vom Insektenschutz
bis zu Tabletten, von Topf und Notproviant, Trinkflasche, Karten
und einfach alles was sie sie braucht. -
Zu den Vorbereitungen gehört auch, sich die notwendigen Visa zu
beschaffen, sich selbst impfen zu lassen gegen alle möglichen Krankheiten
die in Afrika eben vorkommen. Im November bricht sie dann auf, ihr
Fahrrad im Gepäck, fliegt sie nach Ägypten.
Zunächst erkundet sie Kairo, beschreibt alles sehr ausführlich,
nicht nur die Sehenswürdigkeiten, die Menschen, sondern auch die
Besonderheiten z.B. der Altstadt, ihre Kontakte zu den Leuten.
Und hier kommen wir gleich zu dem Namen, dem der Titel des Buchs
seinen Namens verdankt: Ah Agala. - Als die Leute
nämlich zuerst ihr Fahrrad sahen, riefen sie aus: Ah Agala! Das
bedeutet nichts anderes, als: Ah, ein Fahrrad!!! - Und genau das
muss sie immer sichern, muss sich immer jemand suchen, der auf es
aufpasst, weil es hochbegehrt wäre, und ein solches Fahrrad haben
die Ägypter noch nie gesehen. Dort sind nur ganz gewöhnliche Fahrräder
üblich, schwarz, ohne jeglichen Schnickschnack. Sie beschreibt ihre
Behördengänge, die so total anders sind, als wir das kennen. Aber,
was besonders ist, sie erhält ein Dokument, das sie ausweist als
gern gesehene Touristin, und dieses Papier, versehen mit Stempeln,
öffnet ihr viele Türen.
Sie bricht dann auf, beschreibt den unglaublichen Anblick des Nils,
der alles andere in den Hintergrund treten lässt. Ihre Route geht
entlang dem Nil, allerdings sieht sie ihn nicht immer, weil er durch
einen Wall die Sicht versperrt, dafür sieht sie aber alle Sehenswürdigkeiten,
die z.B. Nildampfer-Touristen gar nicht zu Gesicht bekommen.
Die Übernachtungen, auch das Essen, sind nicht immer einfach. Aber
sie macht nur oder fast nur positive Erfahrungen mit den Landsleuten,
die sehr gastfreundlich sind, ihr Schlafplatz bieten, sie sehr häufig
zum Essen einladen. So lernt sie alle gebräuchlichen Gerichte Ägyptens
kennen. Die ihr alle ausnahmslos gut schmecken, auch wenn sie sehr
ungewöhnlich und total unbekannt sind.
Und so wird ihre Reise geschildert, mit sämtlichen Beschreibungen
der unzähligen Sehenswürdigkeiten dieses Landes.
Insgesamt liegen 7.000 km vor ihr, an guten Tagen - wenn die Straße
gut ist, schafft sie auch mal 200 km!!!!! Aber sie muss ja immer
für die Nacht was finden, was nicht so einfach ist. Alle Leute die
ihr begegnen, raten ihr ab, das hat noch niemand gemacht, und schon
gar nicht eine Frau….. diese Reise den ganzen Nil entlang, durch
die Wüste!!! Und immer wieder die Schilderungen ihrer zahlreichen
Begegnungen mit allen möglichen Menschen.
Die Menschen sind durchwegs sehr gastfreundlich, sehen es als Ehre
an, wenn sie eine Einladung annimmt. Sie räumen ihre ganze Wohnung,
(oft sehr ärmlich und primitiv), um, nur um für sie ein ganzes Zimmer
bereitstellen zu können. Eine Bezahlung würde sie sehr schwer beleidigen.
- Sie haben zu danken, dass sie besucht werden… !!!! Und sie als
Gast bewirten dürfen!!!
Natürlich werden Bettler und Bakschisch-Jäger immer zahlreicher,
je weiter sie in den Süden kommt. Aber sie wird immer beschützt
von anderen Einheimischen, wenn welche in der Nähe sind.
Was eine große Schwierigkeit ist, was aber vorherzusagen war, ist
der Sand. Gröberer Sand bereitet nicht die größten Probleme, aber
der ganz feine Sand, feiner noch als Puderzucker, ist mit dem Fahrrad
nicht zu schaffen, es versinkt bis zu den Satteltaschen, und selbst
das Schieben erfordert ihre ganze Kraft.
Im HInblick auf die heutige Situation in Ägypten und den angrenzenden
Staaten mag dieses Buch schon interessant sein. Die Autorin hat
ja diese Reise vor ca. 11 Jahren gemacht, wo es noch etwas anders
war als heute.
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Die Autorin:
Bettina Selby, in London geboren, wurde als kleines
Kind bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in ein walisisches Kohledorf
evakuiert.
Mit fünfzehn Jahren verließ sie die Schule und trat
in die britische Armee ein.
Später arbeitete sie als freie Photographin und
studierte in London Religionswissenschaft.
Bettina Selby ist Autorin mehrer Bücher und schreibt
für verschiedene englische Zeitungen und Zeitschriften, hauptsächlich
über Reisethemen.
Das Buch ist im 2001 im Piper-Verlag in Deutsch erschienen, das
Buch ist die 6. Auflage und wurde von Jürg Wahlen übersetzt, hat
344 Seiten, drei Landkarten (hier angefügt). ISBN-10:3-492-21257-3
EAN:9783492212571
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Abschließende
Meinung
Ein wirklich sehr spannendes Buch. Gut, wer sich nicht für die ganzen
Kunstwerke, Pyramiden, Pharaonengräber und und und interessiert,
wird sich eventuell langweilen.
Was jedoch niemals langweilig ist sind ihre Reiseerlebnisse. Sie
sind immer zwischen den Schilderungen der Sehenswürdigkeiten eingeflochten,
und alle sehr spannend und hochinteressant geschildert.
Im
Kapitel ‚durch Wüstensand nach Tongola habe ich mal eine Stelle
ausgesucht:
"…….Eine
ständige Gefahr bildeten die Habub, blindwütige Sandstürme, die
ohne Vorwarnung plötzlich losbrechen konnten. Sie ertickten alles
in einer dunklen Wolke und dauerten oft den ganzen Tag an…….. Wasser
wurde zum kostbarsten Gut der Welt Meine Tagträume drehten sich
meist um ein kühles Bad in eiskalten schottischen Flüssen, oder
ich lag in tiefen, stillen Becken unter Wasserfällen. Die tägliche
Ration von sieben Litern Trinkwasser reichte gerade aus: Ich gewährte
mir streng nasch Uhr jede halbe Stunde einen kleinen Trunk, und
wenn die Verhältnisse manchmal hart waren, konzentrierte ich mich
auf den nächsten Becher lauwarme Flüssigkeit und hielt mich mit
dieser Aussicht auf Trab………….Trotz all ihrer Bedrohlichkeit war
die Wüste ein Erlebnis und von gestrenger Schönheit. Einst, vor
langer Zeit, ein fruchtbarer, baumbestandener Landstrich, wo Hirtennomaden
wohnten und wilde Tiere hausten, war sie jetzt allen Lebensformen
mit Ausnahme von Skorpionen und robusten Insekten feindlich gesinnt.
Doch jeden Morgen brach ich voller Spannung auf, um mehr von ihr
zu sehen…………"
eine
andere Stelle, nach einigen Tagen:
"In
Ed Damer hielt mich nichts mehr, also gab ich meinem Führer ein
paar Zigaretten und schwang mich auf mein Agala. Doch der alte Mann
hinderte mich daran, wegzufahren. Er klammerte sich am Gepäckträger
fest, bis ich merkte, dass ihm etwas zu schaffen machte, was er
wegen der Sprachbarriere nicht ausdrücken konnte. Schließlich erwies
sich, dass das kränkliche Licht, dem ich keine Bedeutung zugemessen
hatte, der Vorbote eines Habub war, eines sich zusammenbrauenden
Sandsturms, und der Mann um meine Sicherheit fürchtete, weil, wie
ich nicht wusste, der einzige Weg nach Khartum durch Wüste führte…."
Als
sie weiter im Nordsudan Richtung Khartum unterwegs ist: "Unser Gastgeber
war eine ägyptische Familie, die seit Jahren in Schendi lebte und
Handel trieb. Dass sie ohne viel Federlesens und mit allen Anzeichen
freundlichen Willkommens vier unerwartete Gäste in ihrem kleinen
Heim unterbringen konnte, war eins der immer wiederkehrenden Wunder,
die das Leben im Sudan bereithielt………….."
In
Karthum angekommen:
"An
einer jener einzigartigen, bedeutsamen Stellen auf der Erde, wo
zwei große Flüsse sich vereinen, breitet sich Khartum planlos wuchernd
über eine sandige Ebene aus. Von den Höhen Äthiopiens stürzt der
Blaue Nil nieder und erlaubt sich zwei weite, schwungvolle Bogen,
bevor er auf den Weißen Nil trifft, dessen eigener jäher Fall aus
den großen Binnenseen Afrikas durch die riesigen Sümpfe des Sudd
etwas gezähmt wurde……….."
Auch
einigen Verhaftungen kann sie nicht entgehen, aber alles geht immer
wieder gut aus. Ein Durchblick in die verworrenen verwaltungstechnischen
Abläufe dort ist nicht möglich. Für uns unvorstellbar.
Sie
beschreibt immer die politischen und kulturellen Gegebenheiten der
Gegend, wo sie grade durchfährt, aber auch die Menschen, ihre Eigenarten,
vor allem ihre riesige Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Gut,
es wird nicht alle Leser brennend interessieren, wie die ganzen
Zusammenhänge, vor allem kulturell, sind. Z.b. diese Geschichte
mit den Pharaonen und ihren weit verzweigten Dynastien. Das kann
frau etwas schneller überlesen, wenn es nicht grade sehr interessant
ist. Das beeinträchtigt aber in keiner Weise das Leseerlebnis. Es
ist spannend von der ersten bis zu letzten Minute, hervorragend
von der Autorin geschildert.
Um
sich ein Bild von ihrer Reise zu machen, habe ich einige Landkarten
aus dem Buch hier eingefügt. Es sind auch mehrere Seiten farbiger
Fotos zu sehen, von den Bewohnern, einfach von Menschen, denen sie
begegnet ist.
Im
Kapitel ‚südwärts nach Renk' - es ist Silvester, und sie hat das
Glück, zwei Landsmänninnen anzutreffen, die sie mitnehmen zu einer
Neujahrsparty. - Sie wurden zu dem für diese Gegend riesigen, luxuriösen
Haus gefahren, wo es von Menschen aller Nationalitäten wimmelte.
Sie lernt auch zwei Krankenschwestern kennen, die als Entwicklungshelfer
dort tätig sind. - - -
Sie
hatte dann durch diesen Kontakt das Glück, auf einem Landrover mitzufahren,
weiter Richtung Süden. Sie beschreibt hier, in Kosti, wo sie vorbeifahren,
einige Versuche des Landes, hier ein modernes Industriezentrum zu
errichten, schienen aber im Moment ‚schubladisiert' (ein Wort, das
völlig neu für mich ist ;-) ) Mehr und mehr passieren sie verlassene
Dörfer, die Polizeikontrollen häufen sich. Und immer wieder sind
die Auswirkungen des jahrzehntelangen Krieges dort sichtbar.
Etwas
hat mir sehr gut gefallen, und zwar als sie schildert, wie die Mundari
mit ihren Tieren umgehen. Es war eine augenfällige Harmonie unter
den Mundari, aber ebenso auch wenn sie mit ihren Tieren zusammen
waren.
Ich
zitiere mal diese Stelle:
"…………….Offensichtlich
waren Mensch und Tier aufeinander angewiesen, denn des einen Wohlergehen
hing vom Wohlergehen des anderen ab, doch spielte noch etwas viel
Stärkeres mit. Es ging um mehr als ums bloße Überleben. Ich erkannte
hier etwas, was wir im Westen verloren haben, weil wir das Tierreich
ausbeuten. Das Vieh der Mundari hat nichts gemein mit den hornlosen,
widernatürlichen Geschöpfen unserer Tierfabriken. Die Mundari empfinden
vielmehr eine echte Liebe für ihre Tiere und sind stolz auf ihren
Charakter, ihre Stärke und ihre Schönheit. Sie lieben auch ihre
Kinder, doch die Männer griffen nie ein, wenn ihre Söhne Mut und
Respekt lernten, zwischen den riesigen Hörnern herumschlüpften und
die wohlgezielten Tritte in Kauf nahmen, mit welchen die Kühe einen
Ungeschickten bestraften. Auch sah ich nie je einen Jungen sich
mit Unmut oder einem Hieb rächen…………"
Und
noch einmal, wie sie die meistens sehr gastfreundliche Art der Menschen
beschreibt, sie sie angetroffen hat. - Allerdings war dem nicht
so, als sie mal zwei Missionaren begegnete und dringend Wasser gebraucht
hätte. - Sie lehnten es einfach ab, meinten sie bräuchten es für
sich selbst. - So was war undenkbar bei Einheimischen. Als sie schließlich
die letzte Etappe ihrer Reise antritt, und zwar auf die Mondberge,
wo sich eine der großen Quellen des Nils befindet. - Ein sehr beschwerlicher
Teil ihrer Reise, sie brauchte Leute die Gepäck trugen, es war wie
eine Expedition, ist ja ein sehr hohes Gebirge, das oben mit Schnee
bedeckt ist. Am Ende fügt sie noch eine Liste ein, wo alle Sachen,
die sie im Gepäck hatte, vermerkt sind.
Allgemein
zum Lesen, bzw. Erlebnis mit diesem Buch:
Ich fühlte mich immer mittendrin, wenn ich zu dem Buch griff, der
Durst, der Hunger, die Beschwernisse waren sehr beeindruckend geschildert
und automatisch empfand ich den großen Luxus, zu einem Glas Wasser
greifen zu können oder an den Kühlschrank gehen zu können. Ein Buch,
das über die kompletten Seiten fesselt. Und so gar nichts mit einem
Reisebericht zu tun hat, den ja unzählige Leute schreiben, wenn
sie eine Flugreise hinter sich haben, mit jeglichem Komfort, tollen
Hotels, und Luxus pur. - Aber eben kein Abenteuer! Und nicht zuletzt
erfährt frau sehr viel über die wirtschaftliche, politische und
soziale Situation der von ihr durchreisten Länder in Afrika.
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