Anita Shreve

shreve_hochzeit

Meine Zusammenfassung:

Nora hat nach dem Tod ihres Mannes in den idyllischen Berkshire Hills das Haus als Landgasthof umgebaut. Und geschmackvoll eingerichtet, es besticht durch seine Einfachheit und ein Gast kann sich dort sehr wohl fühlen.

An diesem Dezemberwochenende soll eine Hochzeit stattfinden, zwei ehemalige Schulkameraden heiraten; es ist bei beiden Paaren nicht die erste Ehe, und: sie waren bereits in der Schule befreundet, aber haben dann andere Partner geheiratet.
Es sind sieben Leute eingeladen, die ersten Gäste treffen bereits freitags ein, neugierig schauen sie sich um, erwartungsvoll, aber auch mit einer latenten Furcht, was dieses Wochenende eventuell bringen wird. Sie erinnern sich ja an diese verhängnisvolle Nacht vor 27 Jahren - - - .

Und dass sie sich damit beschäftigen werden (müssen), ist für alle klar.
Da ist zunächst eine alleinstehende Frau, keiner weiß so richtig, wie sie lebt, dann einer, der mit seinem Freund/Lebensgefährten gekommen ist, ein Ehepaar (das Brautpaar) mit Sohn und dessen Freund, und ein Mann, der ohne seine Frau gekommen ist. Zuletzt haben sich alle vor 27 Jahren gesehen, einige hatten Kontakte zueinander, einige aber gar keine Verbindung.

Die Hochzeit ist für den nächsten Tag festgesetzt, am Abend zuvor treffen sie sich zum Abendessen. Das Paar, das heiratet, hat den Sohn (aus erster Ehe der Frau) und dessen Freund dabei.

Der Verlauf dieses Wochenendes, die einzelnen Lebenswege der Teilnehmer werden nun geschildert. Und einige Überraschungen und Neuigkeiten sind für alle gegeben. Und vor allem, was war geschehen ist dieser verhängnisvollen Nacht vor 27 Jahren.
Einer fehlt, der vor 27 Jahren dabei war - - - . Es ist Stephen, der nicht mehr lebt. Aber: Was ist mit ihm geschehen ?
Diese leicht ansteigende Spannung, wo alle Geschichten irgendwie das ansprechen, aber nie erwähnt wird, versteht die Autorin bis zum Ende aufrecht zu erhalten. - und: ich lasse das mal hier auch absichtlich weg, mit Rücksicht auf jemand, der das Buch noch lesen möchte. -

Es ist ja kein Krimi, und die Geschichte ist auch nicht auf Spannung pur aufgebaut. Das wichtigste bei diesem ganzen Buch ist die total unterschiedliche, und sich über die Jahre auch teilweise sehr verändernden, und auch veränderten Sichtweisen und Moralvorstellungen aller Teilnehmer zu beschreiben.

Sehr fein geschildert, und auch interessant: Eine Teilnehmerin schreibt ein Buch, oder einen Roman, oder was auch immer, und der fließt auch ein.
Nach diesem Wochenende verabschieden sich alle voneinander, in dem Wissen, sich vermutlich nie wieder zu sehen. Aber das lässt die Autorin offen, ebenso auch das weitere Geschehen, es gibt keine direkten Andeutungen - die darf sich der Leser selbst konstruieren.
Dass einige ihr Leben nach diesem Wochenende mit dieser Hochzeit ändern, bzw. es auch anders sehen, ist auch Bestandteil, und hat was mit einigen Auslassungen bzw. Geschehnissen einiger Teilnehmer zu tun.

 

 

 

Anita Shreve, 1947 geboren, gefeierte US-Bestsellerautorin, lebt mit ihrem Mann in Massachusetts und an der Küste von New Hampshire.

Mit ihren Romanen erreicht sie weltweit ein Millionenpublikum.

Zu ihren größten Erfolgen gehören

"Das Gewicht des Wassers"

"Die Frau des Piloten"

"Olympia"

"Alles, was er wollte".

zuletzt erschien auf deutsch:

 

"Stille über dem Schnee"

und schon länger erschienen:

"Der weiße Klang der Wellen"

Dieses Buch der Autorin ist wieder etwas anders als die vorherigen. Und das ist das Interessante an ihr; was aber überall gleich ist, ist ihre feine, zurückhaltende Art der Schilderung des Geschehens, vor allem aber der Personen.

Es geschieht nicht viel, an diesen zwei Tagen im Dezember; wenn man es auf die eine Art betrachtet. Auf die andere Art wiederum geschieht sehr viel, und zwar in den Ansichten und Gedanken und Überzeugungen der teilnehmenden Personen.

Auch wenn dieses Buch keine Spannung im landläufigen Sinne bietet, ist es dennoch so fesselnd, dass es zum Weiterlesen immer wieder zwingt. - Also auch hier eine zaghafte, diskrete Spannung, was die Eigenart der Autorin nochmal unterstreicht.

Ein Schmöker zwar, der keine sehr hohen Ansprüche an den Leser stellt; aber dennoch eben "besonders" - und ist schlichtweg unterhaltend, und durchaus anspruchsvoll.