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mein Buch hat anderes Cover, ist aber auch eine Ausgabe des Droemer/Knaur-Verlags,
herausgegeben vom Deutschen Bücherbund
Ich zitiere mal die Verlagsbeschreibung:
"Wie in "Zweiundzwanzig Zentimeter Zärtlichkeit", so sagt Johannes
Mario Simmel, liegen in "Die Erde bleibt noch lange jung" vor dem
Leser viele - natürlich sehr persönliche - Momentaufnahmen aus vergangenen
Zeiten, so wie ich, der Reporter, sie gesehen und festgehalten habe.
Es sind Geschichten, bei denen es um Recht und Unrecht, Hunger und
Überfluß, Krieg und Frieden geht, um lustige und traurige, empörende
und das Herz erhebende Ereignisse, um Revolutionen, um Menschen,
die Menschen töten, und um Menschen, die Menschen helfen, um mächtige
Politiker und um kranke Kinder, die beinahe elendiglich verreckt
wären. Ganz gewiß sind alle diese Storys nicht weltbewegend. Aber
ich denke mir immer: In den kleinen Geschichten der kleinen Leute
spiegelt sich der Geist der Zeiten klarer wider als in den großen
Geschichten der heroischen Helden-Helden. Und darüber sind wir sicherlich
alle einig: Die heroischen Helden-Helden-Geschichten waren doch
immer die schlimmsten. Gott schenke uns Frieden."
Meine Zusammenfassung und Meinung
Ich hatte ja damals vor Jahrzehnten seine Romane alle gelesen. Damals
begeistert, und er war in aller Munde, jeder der viel las, las selbstverständlich
auch immer den neuesten Simmel.
- Ich fand alle seine Romane sehr spannend, von der Thematik her
hervorragend, zeitnah, auch literarisch sehr gut aufgebaut, wenn
auch in einfacher Sprache. -
Von den Kritikern zeit seines Lebens verschmäht, erfuhr er nach
seinem Tod eine Rehabilitierung seines Schaffens.
Und nach Jahrzehnten habe ich mal wieder zu einem Buch von ihm gegriffen,
das ich noch nicht gelesen hatte, es sind Kurzgeschichten.
Er zeigt hier einige Artikel, die er damals in den Jahren 1944 und
später in Zeitungen veröffentlicht hatte. In seiner Geschichte ‚Ich
will den Hamlet spielen' -
"Warum soll ich, der Bücherschreiber, nicht Theater spielen,
wenn ich dazu den Drang verspüre - so wie es die Schauspieler (und
andere Nicht-Bücherschreiber) unwiderstehlich zum Buchmachen drängt?
Das habe ich mich anlässlich der Buchmesse 1978 gefragt."
In diesem Kapitel beschreibt er, wie das real so vor sich geht,
sehr lustig dargelegt, mit den Leuten, die dann für diese Leute
schreiben usw. - wie das in den Verlagen so alles abläuft…. - hier
mal ein Auszug:
"…..Ich habe das Bücherschreiben getragen 37 Jahr'. Ich will
es tragen nimmermehr. Da sehe ich jetzt die Kritiker zittern. Plötzlich
denken sie darüber nach, was aus ihnen werden soll, wenn ich keine
Bücher mehr schreibe. Blitzartig überkommt sie die Erkenntnis, dass
ich ihre Existenzgrundlage gewesen bin. Wovon leben, wenn man den
Simmel nicht mehr in der Luft zerreißen, in den Boden stampfen,
zur Sau machen kann in Zeitungen, in Magazinen, im Rundfunk, im
Fernsehen? Wenns keinen Simmel mehr gibt zum Leichenfleddern für
Analyen, Magisterarbeiten, Dissertationen? Was sind wir ohne den
Simmel, fragen die Kritiker einander bleichen Angesichts. - Gemach,
liebe Feinde, gemach. Nicht verzagen, Simmel fragen! Der sagt euch:
Angst vor Arbeitslosigkeit? Keine Spur! Jetzt könnt ihre euch doch
auf alle die neuen Autoren stürzen, die euch die blanke Brust bieten.
Kapiert? Na also. - Da kommt schon wieder Farbe zurück in die verzagten
bleichen Angesichter. Macht nun also die Bücher der Neuen zur Sau,
dass das Herz im Leibe lacht, schreibt eure Kritiken wie bisher
am besten, ohne das Buch gelesen zu haben - das befähigt bekanntlich
zu gänzlich unbefangener und objektiver Einschätzung! -- Jetzt sehe
ich, dass eure Autoren das Zittern kriegen. Tja, daran hättet ihr
früher denken müssen! Warum zittert ihr eigentlich? Auf der Bühne
seid ihr doch auch verrissen worden, dass es nur so geraucht hat,
oder?"................!
In allen Geschichten prangert er Ungerechtigkeiten, Unmenschliches
an. Auch Straftaten, die nie vor ein Gericht kommen, Verhaltensweisen
von Menschen jeglicher Art. Da seine Kurzgeschichten fast alle in
den Zeiten um 1945 spielen, ist ein Thema von ihm auch "Die Schweine
in Uniform" - wo er über atomare Versuche in den Bikini-Atolls berichtet,
wo sich mir die Haare zu Berge stellen. Ich denke, keiner von uns
wusste das, was damals bereits geschah, welche Umweltverseuchungen
damals ohne Bedenken und ohne die Welt zu informieren, stattgefunden
hatten.
Im Kapitel "Die Naturgeschichte des Unsinns" - 1946 - das Simmel
als eines der schönsten Bücher der Welt bezeichnet. Autor: Bergen
Evans, Prof der Anglistik an einer amerikanischen Uni. Evans erzählt
hier, wie er sich vorgenommen hatte, bei den Essenseinladungen die
Menschen ins Kreuzverhör zu nehmen, die über unglaubliche Sachen
erzählt hatten. Er überprüfte alle. Er wurde dann nicht mehr zum
Essen eingeladen - :) Als er sein gesammeltes Material in öffentlichen
Vorlesungen unter dem Titel: "Warum erzählen die Menschen bloß so
grässliche Lügen?" verwendete, kam es zu kleinen Skandalen, Rededuellen
und erbitterten Korrespondenzen…… -
Über dieses Buch von Evans erzählt dann Simmel noch sehr interessante
Einzelheiten, die nicht nur lustig, sondern auch sehr hintergründig
und hochinteressant sind…….
Im Kapitel "Das Wunder" - Warum wir Zeitungen brauchen wie das
liebe Brot - Wien, 1948 -, wo er die Geschichte der Zeitung anreißt,
zunächst begonnen mit einem Blättchen mit 1-2 Seiten, und dann im
Laufe der Zeit hunderttausende von Zeitungen erschienen sind. -
Auch hochinteressant - und immer mit diesem Augenzwingern von Simmel
erzählt…. Alle Geschichten - Kapitel - sind sehr schön zu lesen,
sehr interessant.
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Über den Autor
"Johannes M. Simmel, geb. 1924 als Sohn eines jüdischen Chemikers
und einer Lektorin in Wien geboren, verbrachte seine Kindheit in
Wien und England.
Nach seiner Ausbildung zum Chemie-Ingenieur war er ab 1943 als
Heilmitteltechniker tätig.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete er als Dolmetscher
für die amerikanische Militärregierung in seinem Land. Seit 1948
war er als Journalist tätig, schrieb Drehbücher, Reportagen und
Serien.
Seit 1963 arbeitete Simmel als freier Schriftsteller und lebte in
München oder Frankreich.
Der große Wurf gelang ihm 1960 mit dem Romantitel 'Es muss nicht
immer Kaviar sein' und dem Bühnenstück 'Der Schulfreund'. Es folgten
regelmäßige Veröffentlichungen von Romanen, von denen viele zum
Erfolg wurden.
Der Literaturbetrieb stufte Simmels Romane teilweise noch als Trivialliteratur
ein. Die Kritik an seinen Werken betraf die literarische Ästhetik,
aber nicht die Inhalte. Seine Themen waren unter anderem Neonazismus,
Umweltverschmutzung, Undurchschaubarkeit der Geheimdienste oder
Drogenhandel.
Im März 2005 bekam der österreichische Schriftsteller das Bundesverdienstkreuz
1. Klasse verliehen.
Seit dem Jahr 1983 lebte der Autor im schweizerischen Zug, wo er
am 1. Januar 2009 im Alter von 84 Jahren verstarb." (Verlagsinformation)
Ich selbst habe über den Autor mal eine Sendung
gesehen, wo sein Schaffen, sein Leben und alles, und auch er selbst
zu Wort kam. Er war ein Workaholic, der am laufenden Band schreiben
musste. - Von einer Alkoholsucht schon lange befreit, erzählte er
auch darüber. Diese Sendung war nach seinem Tod ausgestrahlt worden,
wo dann seltsamerweise seine ehemaligen Kritiker ihren Irrtum bekannten,
und auch teilweise zugaben, ihn nicht richtig erkannt und eingeschätzt
zu haben.
Buchdaten:
ISBN-10:3-426-19038-9
EAN: 9783426190388 Erscheinungstermin: 2.8.81
Verlag: Droemer/Knaur Einband: gebunden
Sprache: Deutsch
Seiten: 286
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Ich
selbst habe niemals zu denjenigen gehört, die Simmel herabgewürdigt
haben. Ich habe mich nur gewundert. - Warum? Weil sich so viele
anmaßten, seine Bücher in die unterste Kiste zu werfen …… - wieso
eigentlich? - In Trivial passt er wirklich nicht, oder ob eventuell
sich alle einfach den aus irgendwelchen Gründen verfassten Verrissen
anschlossen, die vermutlich nie ein Buch von ihm gelesen haben.
Ich
habe in meinem Leben wirklich sehr viele Bücher gelesen. - Gut,
er gehört nicht zu meinen Favoriten. ABER: Er ist immer noch viel
besser als Millionen von Autoren, die Bücher veröffentlicht haben.
Ich könnte jetzt hier einige aufzählen….. Nur mal ein Beispiel:
Stefanie Meyer, die diese unglaublich triviale Serie dieser ‚Biss'-Romane
veröffentlicht hat. - Wer also Simmel in die unterste Kiste wirft,
sollte erstmal seine ganzen Romane überhaupt lesen…. -
Ich denke da z.b. an sein ‚Jimmy ging zum Regenbogen' - einfach
ein hervorragend aufgebauter Roman. - Und alle seine Romane befassen
sich mit zeitnahen Problemen, ob es um Genmanipulation, um Aufarbeitung
von Kriegsverbrechen, um Spione, um die Atomkraft geht…und noch
vieles mehr, alles hat er in jeweils einem Roman thematisiert, und
zwar in einer einfachen Sprache, die jeder versteht….
Dass seine Sprache keine hohe schriftstellerische Qualität hat,
okee. - Genau das ist bei den meisten heutigen Krimi-Autoren doch
zu finden.
Was
diesem Autor sehr geschadet hat, war die Vorgehensweise seines(r)
Verlags(e), die seine Bücher sehr schnell an weitere weiter gegeben
haben an, Lesezirkel, Buchgemeinschaften, wie damals Bertelsmann
usw. - und sehr schnell als Taschenbuchausgaben millionenfach herausgegeben
haben. - Die Preise seiner Bücher fielen ins Bodenlose, sind seit
Jahrzehnten für sehr wenig Geld zu haben, ja sogar geschenkt. -
Warum? Weil die Verlage Millionen gedruckt haben. Und er in meinen
sehr schlecht beraten war, in Bezug auf die Wahl seines(r) Verlag(e)s.
Dass
er damals einen Bestseller nach dem anderen - und das auch noch
in sehr schneller Folge veröffentlichte, rief natürlich den Neid
der Kritiker hervor…. - In einem Interview gab er auch zu, ein Workaholic
zu sein, der pausenlos schreiben muss. Und er schrieb Tag und Nacht….
Das wurde ihm zum Verhängnis. - Auch hier sehe ich wieder, wie er
von den Verlagen ausgenutzt wurde. - Das hätte anders gemacht werden
können. - Aber, okee. -
Das
sollten auch mal alle bedenken, die so schnell über ihn herziehen.
Und aus diesem Grund habe ich jetzt, nach Jahrzehnten, dieses Buch
von ihm gelesen, mit zahlreichen Kapiteln, alle in Simmel-Art geschrieben,
wo sein soziales Gewissen immer im Vordergrund stand.
Da
fällt mir grade ein Kapitel ein, wo er einen Artikel damals über
eine Klinik geschrieben hat, wo krebskranke Kinder ihr Dasein fristen.
Sein Artikel löste einen kleinen Skandal aus, ABER: die Zustände
wurde schnell geändert. - Das war sein Ziel gewesen. Er spendete
viel von seinem Verdienst an Notleidende, Krebskranke usw. - Übrigens,
er ist nicht reich geworden……- Hinterließ wirklich kein riesiges
Vermögen, was viele vermuten.
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