Carola Stern

  

  

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Ein wichtiges und mutiges Buch

"Wer bin ich?" - diese Frage steht am Anfang und Ende dieser ungewöhnlichen Autobiografie. Carola Stern erzählt die Geschichte ihres Lebens, von Verstrickungen und Konflikten, Angst und Glück, Gelungenem und Misslungenem - aufrichtig, lebendig, ohne zu beschönigen und ohne abzurechnen.
Aufgewachsen in der "Welt der Ja-Sager" auf der Insel Usedom, heuert die einstige Jungmädelführerin Erika Assmus nach Kriegsende in einem Raketeninstitut der Russen im Harz als Bibliothekarin an. Doch wenige Monate später erhalten die deutschen Spezialisten, die schon an der "Wunderwaffe des Führers" mitgearbeitet hatten, den Marschbefehl in die UdSSR.
"Eka" bleibt in der damaligen SBZ, träumt vom kleinen beschaulichen Glück und lässt sich zur Lehrerin ausbilden. Doch dann taucht ein "Mr. Becker" vom amerikanischen Geheimdienst auf, und ihr Leben nimmt fortan einen ganz anderen Verlauf. Die Amerikaner versprechen, Ekas kranke Mutter medizinisch zu versorgen, Eka soll dafür in die SED eintreten. 1950 wird sie als hoffnungsvoller kommunistischer Nachwuchs auf die Parteihochschule geschickt. In einem Klima der Warnungen vor "Verschwörung" und "Verrat" lernt sie die kommunistischen Phrasen und Parolen, aber nicht den Glauben an die Partei, doch eines Tages wird sie denunziert.
Sie flüchtet nach Westberlin, wo sie sich als Studentin bald einen Ruf als DDR-Expertin erwirbt. Unter dem Pseudonym Carola Stern beginnt sie zu schreiben und entgeht zwei Entführungsversuchen der Stasi. Sie wird Assistentin am Institut für Politische Wissenschaft, aber mit dem Leben in der freien Welt kommt sie nicht zurecht. Von einer tiefen Lebenskrise heimgesucht, erkennt sie, dass man lernen muss, mit der Angst zu leben.
1960 beginnt das dritte Leben der Carola Stern, ihre »besten Jahre«. Sie arbeitet für den Verlag Kiepenheuer & Witsch und wird dann Journalistin beim WDR. Mit den Heinemanns und Gollwitzers schließt sie Freundschaft, mit Gerd Ruge gründet sie amnesty international und mit Böll und Grass die Zeitschrift »L 76«. Als engagierte Publizistin trägt sie entscheidend zur Demokratiefähigkeit der Bundesrepublik bei.


Leseprobe:

Wer bin ich? Eine, die fast so viele Namen wie Berufe hatte! Als Landarbeiterin auf dem Eichsfeld und Lehrerin im Märkischen lernten mich die Leute kennen, als Bibliothekarin eines Raketenforschungsinstituts im Südharz und Funktionärin in Potsdam und Kleinmachnow, als Studentin, Assistentin und Journalistin anschließend in West-Berlin. In Köln gehörte ich zu den Verlagslektoren, den Gründern einer Zeitschrift und verbrachte meine glücklichsten Berufsjahre im WDR. Geschrieben habe ich immer, aber erst als Rentnerin beschloss ich, Schriftstellerin zu werden.
In Ahlbeck, auf der schönen Insel Usedom, gab mir meine Mutter einen Blumennamen, weil mein Vater alles Grüne liebte. So kam ich als Erika Assmus auf die Welt. :Eka 9 rief mich Mutter. In der Schule hatten wir ein diebisches Vergnügen daran, uns mit Hilfe unserer Namen in andere Wesen zu verwandeln, und so erklärt sich, dass mich meine Freundinnen oft Akire Sumssa nannten und ich Feriengrüße einfach als Akire unterschrieb. Doch da wir fürchteten, Gewitzte könnten der Umkehrregel auf die Schliche kommen, und mich in irgendeinem Film der Geheimcode einer Dame tief beeindruckte, der nur aus einem Buchstaben bestand, meldete ich mich an Freundinnen-Haustüren künftig einfach nur mit :Hier ist E 9. Und so hält es auch die Fünfundsiebzigjährige, wenn sie die Schulfreundin in Heringsdorf anruft. Zugegeben, hübsch klingt das nicht. Doch nach sieben Jahrzehnten wechselt man nicht mehr Erkennungszeichen.
Im Berlin der fünfziger Jahre verschwand das Fräulein Assmus langsam von der Bildfläche. Als man mich bat, mir ein Pseudonym zuzulegen, entschied ich mich, damals auf die Dreißig zugehend, für
Carola Stern. Eine Zeit lang existierten die beiden Damen friedlich nebeneinander. Doch mit der Zeit zog sich die eine zurück in einen kleinen Kreis von Verwandten und sehr alten Freunden. Erika Assmus kannte kaum noch einer. Carola Stern hingegen trieb es in das öffentliche Leben, in den Hörfunk, vor die Fernsehkamera...


Dieses interessante Buch  kann ich jedem empfehlen, der etwas mehr darüber erfahren möchte, wie und warum und überhaupt diese Geschichte mit der DDR während und nach dem  2. Weltkrieg kam......und über noch ganz viele interessante Gründe und Hintergründe.......

Am 08.09.2004, 20,15 Uhr ARD, kam die Verfilmung dieses Buchs!!
Ich war natürlich gespannt, ob der Film auch nur halb so gut wie das Buch ist; das Buch war nämlich Spitzenklasse!!!!!
Habe *Carola Stern*  auch irgendwann im letzten halben Jahr im Fernsehen gesehen, da gabs eine Reportage über sie.

 
 
Leider völlig misslungene Verfilmung dieses wunderbaren Buchs!
Grässlich, wenn jemand diesen Film sieht, ohne das Buch zu kennen, der denkt, na ja, irgendso eine Geschichte......
wirklich schade,  na gut, niemand kann alles was im Buch steht verfilmen, aber da kam ja  rein gar nichts rüber von den beschriebenen Hintergründen, und vor allem mit den Bekanntschaften der vielen *Prominenten*, die Sache mit íhrer Ehe.....einfach unmöglich dargestellt, da fehlten im Film die wichtigsten Sachen.....
wirklich schade;
ja klar, der Film hätte dann 5 oder mehr  Stunden dauern müssen, um auch nur annähernd dem Buch gleichzukommen.
Aber, ich meine, man sollte solche Verfilmungen einfach lassen!!!!!!

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