|

Klappentext:
"Santiago de Chile, Clara Griffin ist 46 Jahre alt, als sie die
tödliche Diagnose erfährt: Krebs. Ein Jahr später findet Clemente,
ihr Mann, ein Heft mit Aufzeichnungen von ihrer Hand. "Eine Woche
im Oktober" steht in chinesischer Tinte darauf geschrieben. Zögerlich
beginnt er zu lesen und entdeckt eine Frau, die er nie kannte. Denn
Clara beschreibt ihre Ehe als hohl und leer. Und: Offenbar weiß
sie seit langem, dass Clemente eine Geliebte hat, zu der sie all
die Jahre schwieg, weil sie um die Sicherheit ihrer Ehe fürchtete.
Bis sie durch Zufall Leon begegnet, einem Mann, der -Ähnlich krank
ist wie sie - - -. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Affäre,
die Clara, die sich als Frau nie zuvor das Recht herausgenommen
hatte, wirklich zu leben, grundlegend verändern soll. Doch manchmal
ist die Wirklichkeit anders, als sie scheint. Und manchmal sind
die Wege, über die eine Frau sich endlich jenes Leben verschafft,
das sie nie hatte, geheimnisvoller, als eine Affäre je zu sein vermag."
Meine Zusammenfassung
Das Buch ist gegliedert in 18 Kapitel, die zwei Teile beinhalten:
die einen sind im Heft, die anderen dazwischen..
Die Ankündigung
Das Heft
Zwei Gesichhter auf der Treppe
Das Heft
Der Tunnel
Das Heft
Ein Fremder im Café
Das Heft
Leonel Hyde
Das Heft
Sonntag, Erinnerungen
Das Heft
Montag, Ruhelosigkeit
Das Heft
Dienstag, Wiedersehen
Das Heft
Samstag, Tod
Das Heft
Es beginnt
mit dem ersten Tagebucheintrag in dieses Heft (Die Ankündigung).
Clara beschreibt; sie erinnert sich an den letzten Tag, ihr letztes
Kapitel in diesem Heft. Es ist der Tag, als sie neben Leonel im
Bett liegt, und er gestorben ist.
Ein Auszug:
"----ich dachte anfangs, ich wäre es gewesen, die ihn mit meinem
Unglück angesteckt hatte, ich wäre es gewesen, die zu einer Art
verkehrtem König Midas geworden war, und alles, was ich berührte,
verwandle ich in Tod. Ich fühlte mich für seinen Tod verantwortlich,
so wie bisweilen für meinen eigenen näher rückenden Tod. Aber jetzt
wird mir klar, dass ich, mag auch diese unheilvolle Krankheit das
Vorzeichen meines eigenen Endes sein, nichts mit dem Sterben meines
Geliebten zu tun hatte. Leonels Tod hatte seine eigene Geschichte,
und die hatte eine Woche zuvor begonnen, an jenem Samstag in meinem
Obstgarten, als ich die sonderbare alte Frau neben den Pflaumenbaum
pinkeln sah. - -- - - -- - -plötzlich war ich mir ganz sicher, dass
noch jemand im Obstgarten war. Ich drehte den Kopf und sah eine
große, knochige, in schwarze Lumpen gehüllte alte Frau. Sie war
aus dem Nichts aufgetaucht und hockte nur wenige Meter von mir entfernt
neben dem Stamm eines Pflaumenbaumes und pinkelte. Die alte sah
mich nicht einmal an. Sie pinkelte weiter, als wäre ich gar nicht
da. Wie hypnotisiert starrte ich auf ihren Strahl, einen kristallklaren
Strahl von gleichmäßigem Fluss, einen hellgoldenen Faden, der mich
außerordentlich verblüffte, da ich gedacht hätte, der Urin des Todes
sei eine zähe, grüne Flüssigkeit mit einem Geruch, der sich für
immer in der Nase festsetzt. Die Alte pinkelte so seelenruhig, ohne
jegliche Eile oder Scham, als wollte sie ihr Leben lang weiter pinkeln.
Und ich wusste, es war meine Pflicht, zu warten, bis sie fertig
war. ----------am naheligendsten war der Gedanke, meine Krankheit
habe diese Form gewählt, um mir zu verkünden, sie werde mich vernichten,
und doch sagte mir eine leise innere _Stimme, nein, das ist es nicht,
die Alte ist gekommen, um mich auf etwas hinzuweisen. ----------------------------------was
ich da erlebte, kündigte mir den Tod meines Geliebten an, doch in
diesem Augenblick konnte ich das natürlich unmöglich wissen, weil
es meinen Geliebten nicht gab. Das heißt, für viele Leute gab es
ihn, aber nicht für mich. ------------------- Zu meiner Verwunderung
löste sich die Alte plötzlich in Rauch auf und verschwand so unvermittelt,
wie sie gekommen war.-------------------------------"
Im nächsten
Kapitel (Das Heft) sind die Gedanken von Clemente, und das Erleben
des Lesens dieses Hefts, das in einer Küchenschublade liegt, die
einzige Schublade, die er oft benutzt, weil da die Taschenlampe
drin liegt.
Er liest diese Einträge, vergleicht sie mit den Erlebnissen, die
Clara da schildert, und einige stimmen auch genau überein, aber
andere wiederum scheinen frei erfunden zu sein. Was er aber liest,
und ihn schockiert ist, wie sie ihn, ihre Ehe, ihr Haus, ihr Verhältnis
zueinander, in Worte fasst, und vor allem, wie sie über ihren Geliebten
schreibt.
Leonel Hyde ist ihm bekannt, es ist ein Kunde, und er war mal zum
Abendessen eingeladen, das stimmte schon, nur dass Clara mit diesem
ein Verhältnis begonnen haben könnte, war ihm nie in den Sinn
gekommen.
Und so kommen,
immer abwechselnd, die Einträge im Heft, und dann die Schilderung,
wie Clemente das sieht, was er denkt nach dem Lesen, aber auch das
reale Leben mit Clara. Clemente hatte seit einigen Jahren eine Geliebte,
und als er die Diagnose Krebs seiner Frau erfuhr, beschloss er,
sein Verhältnis zur Geliebten zu beenden. Er traf sich nicht mehr
mit ihr, kümmerte sich nur noch um Clara, die einige OPs und Chemotherapie
usw. durchzustehen hatte.
Er las also immer weiter in diesem Heft, und immer war wieder weiter
geschrieben worden. Clara musste also, wenn er nicht da war, in
dieses Heft geschrieben haben. Und sie muss es dahin gelegt haben,
wo sie genau weiß, er wird es finden, und lesen. Und ihr Kalkül
ging auf, er las es regelmäßig.
Er versuchte eine Erklärung zu finden, warum ihre Ehe so geworden
war, wie Clara sie beschrieb. Sie waren über 20 Jahre verheiratet,
kinderlos, er erfolgreich selbständiger Architekt, sie bewohnten
ein eigentlich schönes Haus, das von Clara allerdings nicht als
so schön befunden wird.
Und dass mit den Jahren eben keine Leidenschaft im sexuellen Bereich
mehr da ist, hält er auch nicht für ungewöhnlich. Aber dass Clara
sich einen Geliebten genommen hat, das schockiert ihn und macht
ihn rasend eifersüchtig. Er denkt oft daran, Kontakt mit Leonel
aufzunehmen, über seinen Freund könnte er Telefon und Adresse herausbekommen,
aber dazu ist er dann doch nicht in der Lage.
Dann wieder
das Heft, wo ich mal eine Stelle aussuche:
"Ich kam aus der Dusche und war entschlossen, die Krankheit nicht
länger als eine Art Trojanisches Pferd zu sehen, das einem inneren
Feind den Sieg ermöglicht. Denn wir alle tragen einen inneren Feind
in uns, ein verborgenes Ungeheuer, das uns anspringt, wenn wir am
wenigsten damit rechnen, einen finsteren Zwilling, der als Schwamm
der Seele fungiert und solange das ganze Elend des Lebens aufsaugt,
bis er überläuft. - Plötzlich fühlte ich mich wie eine Überlebende-------------"
Clemente bemerkt
schon, dass ein Teil des Inhalts im Heft Ausschmückungen sind, die
nicht der Realität entsprechen, kam aber zur Erkenntnis, dass das
nicht das Wesentliche war, das ausgedrückt werden sollte.
"------er war
ganz und gar auf die Geschichte konzentriert, die hinter all dem
lag, Samstag, den 9. Oktober, Sonntag, den 10. Oktober -, die unzweideutige
Geschichte eines Liebensabenteuers, das Clara mit Leonel Hyde erlebt
hatte. Wobei es ihm nicht sehr glaubwürdig erschien, dass sie unter
den gegebenen Umständen zu so etwas fähig gewesen sein sollte. Er
verspürte eine plötzliche innere Leere, als er sich Clara und ihren
abgemagerten Körper vorstellte, diesem Mann gegenüber, der so mager
war wie sie. Nein, er schaffte es nicht.-----------"
Als Clemente
das letzte Kapitel liest kommen ihm viele Gedanken. u.a. auch diese:
"---------Claras Worte und ihre gemeinsamen Stunden mit Leonel taten
ihm so weh, wie ihm noch nie etwas weg getan hatte. Aber es war
nicht der Schmerz der Eifersucht, sondern Schmerz über den eigenen
Irrtum, über seine Schuld, seinen entsetzlichen Fehler. Er hatte
versagt, er war ein erbärmlicher Ehemann gewesen. Er hatte sie fast
ein Leben lang betrogen, leichtfertig, ohne die Folgen zu bedenken,
ohne sich je an ihre Stelle zu versetzen.--------------------"
Das Ende des
letzten Kapitels lasse ich bewusst aus. Ganz einfach, weil es alles
auflöst, und wenn dieses Buch jemand lesen möchte, sollte er eben
das Ende nicht wissen, weil sonst die Spannung verloren geht.
|
|
"Die Autorin Elizabeth Subercaseaux, geb. 1945 in Chile, ist
die Ururenkelin von Robert und Clara Schumann. Mit 22 zog
sie nach Spanien, wo sie ihre jornalistische Karriere begann.
Später arbeitete sie während der Pinichet-Diktatur 17 Jahre lang
als Journalistin im Untergrund, eine Zeit in der ihre halbe Familie
ins Exil geschickt und sie in ihrem Haus fast zu Tode gepräüfelt
wurde.
Kurz nalchdem sie mit Mitte vierzig mit dem Schreiben von Büchern
begann, wurde sie in Chile zur Bestsellerautorin.
Eine Woche im Oktober ist das erste Buch, das auf Deutsch
erscheint.
Von einer Diktatur in die andere: Während die Ururenklin Robert
und Clara Schumanns in Francos Spanien eher für konservative Zeitungen
gearbeitet hatte, schloss sie sich nach ihrer Rückkehr nach Chile
der Opposition an und sah bis zum Ende des Pinochet-Regimes ihre
Aufgabe vorrangig darin, in Zeitungsartikeln, Interviews und Sachbüchern
über die Diktatur aufzuklären, gegen sie anzuschreiben. Das hatte
ihr unter anderem einen Überfall durch Schläger des Regimes eingebracht.
Während dieser Jahre lebte der größte Teil ihrer Familie im Exil.
Bald darauf traf sie ihren künftigen Mann, einen amerikanischen
Professor für Lateinamerikanistik, mit dem sie seitdem wechselweise
in den USA und in Chile lebt. Erst nach Chiles Rückkehr zur Demokratie
machte sie ihren lang gehegten Kindheitswunsch wahr und fing an,
Romane zu schreiben. Ihr jetzt ins Deutsche übersetztes Buch "Eine
Woche im Oktober" ist inzwischen ihr zehnter. Erstaunlich, dass
trotz des ehemaligen Engagements in der rund 200 Seiten starken
Novelle Politik nicht vorkommt. ---------------------------------------
Daten zum Buch: Übersetzt von Maria Hoffmann-Dartevelle Pendo Verlag
München 2008, 200 Seiten, 18 Euro "
(dem Klappentext entnommen)
auch Klappentext, ein Wort der Autorin:
"Wenn ich nur eines an meine Leserinnen und Leser
weitergeben könnte, dann wäre es folgendes:
Dass wir alle eine Liebe haben sollten, bevor
wir aus dem Leben gehen,
ganz gleich, mit welchen Problemen
wir zu kämpfen haben.
Wir sollten eine Liebe haben.
Eine wirkliche Liebe. Wenigstens einmal in unserem Leben."
|
|
Es
ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe.
Mit seinen 200 Seiten war es nicht nur schnell gelesen, weil es
eben so wenig Seiten hat, sondern weil ich es kaum weglegen konnte.
-
Schon
gleich zu Beginn fiel mir die hervorragende Sprache auf. Der Aufbau
ist in meinen Augen sehr gut gelungen. Im Wechsel zu erzählen, was
im "Heft" steht, dann wiederum die Geschichte, wie Clemente das
erlebt.
Als
dann die ersten Ausschmückungen erwähnt werden, Clemente vergleich
ja immer die Einträge im Heft mit den wirklich geschehenen, soweit
er sie selbst mitbekommen hat, wird es dann schon mehr oder weniger
diffus, aber die Spannung nimmt zu.
Hinter
jeder Geschichte, die Clara niederschreibt, steckt eine Realität,
wenn nicht direkt, dann indirekt, sie benutzt ihre Ausschmückungen
quasi, um etwas auszudrücken.
Was
natürlich zu denken gibt ist, wieso diese Clara das alles, und das
auch noch mit der Gewissheit ihres eigenen, bevorstehenden Todes,
niederschreibt, mit der Absicht, dass es Clemente liest.
Wieso niemals ein Gespräch möglich war, wo sie ihm das hätte normal
erzähzlen können, wie es ihr geht.
Es hatte keine Möglichkeit gegeben in ihren Augen, bzw. sie sah
keine Möglichkeit aufgrund des Verhaltens ihres Mannes, das ihr
einfach keine Gelegenheit bot, mit ihm über ihre eigenen, intimsten
Gefühle zu sprechen.
Die
Autorin benutzt diese Brustkrebserkrankung von Clara nicht nur,
um zu beschreiben, wie es einer Frau in ihrem Alter damit geht (was
ihr auf eine wunderbare Art gelungen ist, nicht Angst machend, sondern
eigentlich ein positives Gefühl hinterlassend), sondern verknüpft
das mit den Problemen einer Ehe.
Die
Autorin vermeidet es, Schuldzuweisungen auch nur anzudeuten.
Als
Schlussatz benutze ich diesen Satz der Autorin, dem Klappentext
entnommen:
"Wenn
ich nur eines an meine Leserinnen und Leser weitergeben könnte,
dann wäre es folgendes:
Dass wir alle eine Liebe haben sollten, bevor wie aus dem Leben
gehen, ganz gleich, mit welchen Problemen wir zu kämpfen haben.
Wir sollten eine Liebe haben. Eine wirkliche Liebe. Wenigstens einmal
in unserem Leben."
|