Amy Tan

"Es ist die Geschichte von vier Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges aus Rotchina in die Vereinigten Staaten geflohen sind, um sich in San Francisco eine neue Existenz aufzubauen. Und es ist die Geschichte ihrer vier Töchter, die nicht viel von überkommenden Pflichten und Traditionen halten. Sie erheben Anspruch auf ein freies Leben unter westlichen Vorzeichen und können sich doch den Geheimnissen und der Magie des alten China nicht verschließen." (dem Klappentext entnommen)

Meine Zusammenfassung
Diese vier Frauen und ihre vier Töchter erzählen im Wechsel; die Mütter dann natürlich von ihren Müttern und ihren Töchtern, und die verschiedenen werden wunderschön beschrieben.

Da ist zunächst in der ersten Geschichte Jing-Mei Woo. Ihre Mutter Suyuan hatte diesen Club gegründet, ein Treffen dieser vier Frauen aus dem Clan, am Mah-Jong-Tisch, eine im Westen, eine im Osten, eine im Süden und eine im Norden.
Suyuan war mit ihrem Mann von China nach Amerika ausgewandert und wurde in San Francisco sesshaft. Sie musste damals zwei Kinder in China zurücklassen, auf der Flucht vor den Japanern.
Jing-Mei soll nun, unterstützt mit Geld dieser anderen drei Frauen, nach China reisen und den beiden Geschwistern von ihrer Mutter erzählen.

Die zweite Geschichte ist die der Ann-Hei Hsu. Sie hatte ihre Kindheit in China verlebt; ihre Mutter war von der Familie verstoßen worden, weil sie als "vierte" Frau zu einem sehr wohlhabenden Mann gezogen war, nachdem ihr Mann verstorben war. Ann-Hei-Hsu war bei der Großmutter, der Mutter von Ann-Hei-Hsu geblieben.
Als diese dann starb, kam die Mutter und holte ihre Tochter, Ann-Hei-Hsu, zu sich. - Sie lebte dann im Haushalt bei ihrer Mutter, ein sehr reicher Haushalt. Doch da eine vierte Frau und auch deren -Tochter "nichts wert ist" lebte die Mutter nicht glücklich, und tötete sich schließlich selbst.

Die dritte Geschichte ist die von Lindo Jong, die als kleines Kind mit einem Jungen verheiratet wurde, was im damaligen China normal war.
Nach einer Hochwasserkatastrophe kamen die Eltern um und Lindo-Jong kam zu ihrer neuen Familie, die ihres Ehemannes. Sie lernte, wie das bei den Chinesen damals üblich war, ihrem Mann und dessen Familie zu gehorchen.
Da aber ihr Mann weder sie selbst Interesse aneinander hatten, aber ein Stammhalter erwartet wurde, griff sie zu einer List, wo eine Kerze, die an beiden Enden angezündet wird, Aufschluss darüber geben soll, ob die Ehe lange hält usw. - und das eine Ende ging eben aus. - Und so war die Ehe ungültig, und sie wieder frei.

Die vierte Geschichte ist die der Ying-Ying St. Clair. Bei einem Fest zu Ehren der Mondfrau war sie verloren gegangen, und da bei diesem Fest auch auf einer Bühne ein Mondfrau-Schauspiel aufgeführt wurde, die jedem Zuschauer einen Wunsch erfüllen wollte. Und Ying-Ying wünschte sich, wieder von ihren Eltern gefunden zu werden, und wurde wieder gefunden.

Diese vier Geschichten waren also die der Mütter, alle noch in China geboren und aufgewachsen. Natürlich werden zahlreiche Einzelheiten erzählt, die sehr spannend und interessant sind, vor allem die Bräuche und Sitten im damaligen China beinhalten.
Und ganz nebenbei erfährt man sehr viel aus der Zeit in China nach dem 2. Weltkrieg, über die ganze Situation in China, die Auswirkungen, die familiären "Sitten", wie sich das dann in Amerika unter den Augen der "Mütter" - mit den Augen der Mütter -und mit den Augen der Töchter - verändert.
Die Allerweltsproblematik der "Mutter-Tochter-Beziehung" kommt in der chinesischen Kultur auffallend zur Geltung.

Vor diesem Hintergrund erzählt die Autorin dann wiederum vier Geschichten, und zwar die der Töchter der Mütter. Alle in Amerika geboren und aufgewachsen, mehr amerikanisch als chinesisch denkend. Jede einzelne kämpfte ihren Kampf, als Amerikanerin chinesischer Herkunft anerkannt zu werden.
Die Verflechtungen, die Gespräche mit den Müttern, Mutter-Tochter-Konflikte, Klarstellungen über Herkunft in China, uralte Erlebnisse, die die Mütter ja wiederum von ihren eigenen Müttern und Großmüttern erzählen, das alles wird sehr spannend, nicht zuletzt aber mit viel Humor erzählt.
Die Autorin lässt z.B. die Mütter in ihrer Mischmasch-Chinesisch-Amerikanischen Sprache sprechen, was selbst bei den Töchtern und auch deren Kindern wiederum Heiterkeitsausbrüche auslöst. Aber: sie schämen sich auch oft, wenn die Amerikaner dann die Nase rümpfen über die benutzte Sprache der alten Chinesen. Ganz interessant finde ich, wie alle Gedanken und Aktionen der Mütter wie der Töchter geschildert werden. - So ehrlich wird das kaum in westlicher Literatur dargelegt. -

 

 

 

"Amy Tan wurde in Oakland (Kalifornien) als Tochter des Elektrotechnikers und Baptistenpfarrers John Tan und seiner Frau Daisy, einer Krankenschwester, geboren. Tan war 14 Jahre alt, als ihr Vater und ihr älterer Bruder an Gehirntumoren starben.

Kurz darauf zog sie mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder Peter nach Montreux.

Sie erlangte den Magister in Sprachwissenschaften an der San José State University und arbeitete danach als Kinderlogopädin.

Bekannt wurde Amy Tan mit den Büchern Die Frau des Feuergotts und Töchter des Himmels, das unter ihrer eigenen Regie verfilmt wurde. Weitere Werke sind z.B. Die hundert verborgenen Sinne und The Opposite of Fate: A Book of Musings, eine Sammlung von nicht fiktiven Essays.

Zudem schrieb sie zwei Kinderbücher: Die Mondfrau (1992) und Die chinesische Samtkatze (1994).

Ihre Bücher wurden in 35 Sprachen übersetzt.

Das Libretto für die 2008 an der San Francisco Opera uraufgeführte Vertonung ihres Bestsellers The Bonesetter's Daughter schrieb Amy Tan selbst. Komponist der Oper ist Stewart Wallace.

1974 heiratete sie Lou DeMattei und lebt nun mit ihm in San Francisco.

Amy Tan ist Backgroundsängerin und Percussionistin in der Amateurband Rock Bottom Remainders, die ausschließlich aus berühmten Schriftstellern, Journalisten und Drehbuchautoren besteht."

(aus Wikipedia entnommen)

Amy Tan hat ein ganz besonderes Geschick, diese Geschichten zu erzählen.

Und: es ist immer von ihrem eigenen Leben mitgestaltet.

Ein sehr spannendes und überaus interessantes Buch, man kann es kaum aus der Hand legen. Es ist nicht möglich, auch nur einen Bruchteil der "chinesischen Weisheiten" hier zu erklären, die aus den Mündern der Mütter geschildert werden. Man muss das Buch einfach lesen!

Ich habe von Amy Tan fast alle Bücher gelesen. Ihre Literatur gehört zum leicht lesbaren Genre, aber ich stufe sie dennoch als anspruchsvoll ein. Es werden so zahlreiche geschichtliche Informationen über das alte und auch das neuere China eingeflochten, und nicht zuletzt sehr viel über die Immigranten der Chinesen in Amerika.