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Klappentext:
"Ein junger, freundlich lächelnder Mann steigt in einem Hotel in
einem noblen französischen Badeort ab. Er soll die Biographie des
alternden Schauspielerstar Fraikin schreiben, der ihn seit Stunden
in seiner nahe gelegenen Villa erwartet. Doch Mark Cramer hat es
nicht eilig; mit provozierender Ruhe genießt er die wärmenden Sonnenstrahlen
am Strand, bevor er am Abend bei einem Besuch im Casino seit letztes
Geld am Roulettetisch riskiert - und ohne erkennbare Regung ein
Vermögen gewinnt.
Mark Cramer ist gelangweilt - von sich, von seinem Leben, von seinem
Auftraggeber. Mit seismographischer Genauigkeit registriert er von
der ersten Begegnung an die Schwächen und Eitelkeiten Fraikins,
lotet mit punktgenauem psychologischem Spürsinn die Brüche und Verwerfung
von dessen Charakter und Leben aus. Mit kaltem Zynismus protokolliert
er den Niedergang des Schauspielers und führt ihn mit der Emotionslosigkeit
eines Experimentators zu seinem folgerichtigen Ende."
erster Auszug:
"Mittags komme ich an am Ende der Welt. Ich miete mich ein in einem
Hotel, sehe durch das Fenster meines Zimmers einen dunkelblauen
Streifen des Ozeans hinter der goldenen Sanddüne, auf der Urlauber
einen Ball hin- und herwerfen. Ich lege mich auf das schmale Bett,
schließe die Augen und amüsiere mich mit dem Gedanken, Fraikin warten
zu lassen, Fraikin, der mich erwartet mit wachsender Ungeduld, um
mir seine Geschichten zu erzählen, endlich wieder einer, der sich
dafür interessiert, interessieren muss, endlich einer, der an seinen
Lippen hängen wird, ja, noch eine Anekdote und noch eine von den
vielen, die Fraikin zu erzählen hat. Fraikin, der plant, die Nachwelt
mit seinem ereignisreichen Leben zu langweilen. So stelle ich mir
Fraikin vor, den ich nicht kenne, Fraikin, der mich beauftragt hat,
seine Biographie zu schreiben. - - - -"
zweiter Auszug:
"Ich gehe langsam weiter, die Düne hinab, - - -. Ich stehe frontal
gegen den Wind, spüre das kalte Wasser an meinen Oberschenkeln und
denke, dass ich Geschichten schreiben könnte über die Tankstellenkassiererin
mit den starren Augen, leer, blau, die an mir vorbeisah, als ich
ihr den 200-Francs-Schein reichte zwischen Orleans und Bordeaux.
Oder über den Fahrer des weißen PKW, deutsches Kennzeichen, der
schlief, tief, träumte, auf dem Fahrersitz, im trüben Schein der
Parkplatzlampe. Den ich aus seinem Fahrzeug hätte locken und erdrosseln
können, nachts um drei Uhr, wenn ich nicht selber müde gewesen wäre
und eine kurze Pause benötigt hätte. Den ich hätte ermorden können,
ohne jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ich schenkte ihm
das Leben.. - - - - "
Diese Zitate
erscheinen mir sehr wichtig, um zu vermitteln, welchen Stil der
Autor benutzt, was er seinen Protagonisten denken und tun lässt.
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Meine Zusammenfassung
Cramer kommt an, nachdem er die Nacht durchgefahren war. Er checkt
im Hotel ein, und geht zuerst mal an den Strand. Er hat zwar eine
Verabredung mit Fraikin, dem alternden Filmstar, aber ist ihm total
egal. Als ihn im Hotel ein anderer anspricht, ob er mit ihm ins
Casino fährt, tut er das, und er setzt dort alles was er hat, und
gewinnt eine Riesensumme. - Er gibt großzügig seinem Begleiter was,
und sie fahren wieder ins Hotel zurück.
Am nächsten Tag geht er dann endlich zu seiner Verabredung, Fraikin
erwartet ihn bereits ungeduldig, und seine junge schöne Frau fällt
Cramer sofort auf.
Cramer hört nun mit einem halben Ohr den Ausführungen Cramers zu,
die ihn grausam langweilen. Freunde kommen in die Villa, es wird
gefeiert, Cramer flirtet mit der sehr jungen und schönen Frau von
Fraikin.
Und so nach
und nach, zunächst kaum bemerkbar, erfährt der Leser durch die Schilderung
der Gedankengänge Cramers, was dieser plant.
Es ist ein ausgeklügelter, minutiös festgelegter Plan, den er ausheckt,
und kein einziges Geschehen wird ausgelassen, alles wird benutzt,
eingeflochten, bedacht. Auch seine Beziehung zur jungen Frau von
Fraikin ist Kalkül. Ebenso auch das Benutzen des einen Freundes,
der schließlich alle, außer ihm und Fraikin, dazu bringen soll,
das Haus für eine gewisse Zeit, also einige Stunden, zu verlassen.
Und immer wieder das Gespräch über den Freund in Deutschland, der
ermordet worden war, einen Tag vor Ankunft Cramers - - - - .
Eine total
verrückte, grausige Geschichte, in diesen nur rund 200 Seiten.
Auffallend noch zur Gestaltung: Jedes Kapitel beginnt in der unteren
Hälfte des Blattes, die obere Hälfte ist einfach nur schwarz.
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"Jan Costin Wagner, 1972 in Langen bei Frankfurt
am Main geboren, studierte Germanistik und Geschichte. Sein Romandebüt,
"Nachtfahrt", wurde 2002 als bester Kriminalroman des Jahres mit
dem "Marlowe-Preis" ausgezeichnet. Mit "Eismond" und der Figur des
Inspektors Kimmo Joentaa schrieb sich Jan Costin Wagner in die Herzen
vieler Leser und Kritiker. Soeben ist bei Eichborn Berlin sein drittes
Buch, "Schattentag", erschienen, das Presse und Lesepublikum erneut
mit Begeisterung aufgenommen haben und das bei Goldmann als Taschenbuch
in Vorbereitung ist. Der Autor lebt mit seiner Familie abwechselnd
in der Nähe von Frankfurt am Main und in Finnland, der Heimat seiner
Frau."
(dem Klappentext entnommen)
Daten zum Buch: ISBN-10: 3-8218-0700-8 EAN: 9783821807003 Einband:
gebunden Auflage: 2 Erschienen bei: Eichborn Seitenzahl: 220
Veröffentlichungen:
"Bei Eichborn Berlin erschien 2002 sein Debütroman Nachtfahrt,
eine Verfilmung des Buches ist in Arbeit. Sein zweiter Roman Eismond
(2003) brachte den internationalen Durchbruch. Im Herbst 2005 erschien
sein dritter Roman Schattentag, im Juli 2007 sein vierter Roman
Das Schweigen, der momentan fürs Kino verfilmt wird. Sein neuer
Roman Im Winter der Löwen - der dritte Fall von Kimmo Joentaa -
erscheint im Februar 2009."
Preise und Auszeichnungen: 2001 Marlowe-Preis für den besten Kriminalroman
für sein Debüt Nachtfahrt
2003 Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats im Literarischen
Colloquium Berlin für Eismond
2004 Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft
2007 Deutscher Krimipreis; Kulturnews -Award Bestes Buch des Jahres
(Platz 5) für Das Schweigen
2007 Nominierung für den Prix Coeur Noir für die französische Ausgabe
von Eismond
2008 Nominierung für den Los Angeles Times Book Prize für die amerikanische
Ausgabe von Eismond
2008 Deutscher Krimipreis für Das Schweigen
2008 Nominierung für den Glauser-Preis für Das Schweigen
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Ein
sehr spannendes, aber auch ungewöhnliches Buch.
Der
Beginn mutet noch ganz normal an, es kommt einfach ein junger Mann
in Südfrankreich an, der die Biographie eines alternden Filmstars
schreiben soll. Auch der Besuch des Spielcasinos ist noch relativ
normal, wenn man mal davon absieht, dass Cramer cool einfach sein
ganzes Geld setzt, kaum interessiert erscheint, ob er gewinnt oder
nicht, alle Außenstehenden aber ihn verwundert umgeben.
Und er dann auch wieder vollkommen unberührt seinen Gewinn einstreicht
und das Casino verlässt.
Die
Beschreibung des psychisch total abnormalen Protagonisten Cramer
gelingt dem Autor hervorragend. In sehr kleinen, zunächst kaum bemerkbaren
Schritten schraubt der Autor nach und nach die Agitationen, Gedanken
Cramers in die Richtung, die er beabsichtigt hat.
Dunkel,
hintergründig, teuflisch spricht der Autor dem Protagonisten nicht
nur einfach kriminelle Energie zu, sondern lässt seine ganze Psyche
in seine Planung, seine Handlungen einfließen.
Dem
Autor gelingt es mit diesem Buch, sehr viel auf wenigen Seiten (rund
200) auszudrücken.
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