Urs Widmer

  

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An seinem zwölften Geburtstag erhält Karl ein Buch, voll leerer Seiten, und Tag für Tag wird er daran schreiben, ein Leben lang. Doch nach seinem Tod verschwindet es, bevor es sein Sohn, wie es der Brauch ist, hätte lesen können. Also schreibt es der Sohn, der Ich-Erzähler, ein zweites Mal: das Buch des Vaters.

Es ist die Aufzeichnung eines reichen Lebens, von der Liebe zum Leben und der Leidenschaft zu den Büchern bestimmt. Die vielleicht wunderbarste Fähigkeit des Vaters ist, sich und andere begeistrn zu können. Im Geist lebt er mit Villon, Diderot und Stendhal, - er übersetzt sie und viele andere - , in der wirklichen Welt fühlt er sich einer Gruppe junger Maler zugehörig, die zwar sehr verschieden malen, aber alle glühende Antifaschisten sind. Kein Wunder, dass auch er, während einer legendären Fastnacht im Jahr 1936, Kommunist wird. Allerdings, als er 1965 stirbt, ist er längst keiner mehr. Das Buch des Vaters ist auch die Geschichte der politischen Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts.

Und natürlich erzählt es auch die Geschichte der Frau, die er  liebt - Claras, die im Zentrum des Romas Der Geliebte der Mutter  steht.

Die gleiche Geschichte, verblüffend anders erzählt. -

Es ist nicht das erste Buch, das ich von Urs Widmer lese. - Und es hält, was es verspricht...

Ganz wie Urs Widmers Art, ist es fantastisch geschrieben, es ist schnell zu lesen, spannend bis zur letzten Seite

" In einem fantastischen, rauschhaften Intro in den Roman, der Schilderung einer wilden Initiation, erzählt Widmer, was es denn mit dem Buch des Vaters auf sich hat. Denn wie jeder in seinem Heimatdorf hat auch sein Vater an seinem zwölften Geburtstag ein leeres Buch bekommen, das er in der Folge zu beschreiben hat und das erst nach seinem Tod von anderen gelesen wird. Das Dorf in den Bergen hält auch für jeden seiner Bewohner seinen persönlichen Sarg bereit, Särge, die sich in einem bizarren, bewegungslosen Totentanz vor den Häusern stapeln (bis die touristische Invasion der Japaner dem Mahnmal ein Ende bereitet). Als der Vater stirbt, ist das Buch verschwunden, durch die Mutter im Müll gelandet -- ungelesen. Also macht sich Urs Widmer daran, es neu zu schreiben." 


 

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