David Wroblewski
Die Geschichte des Edgar Sawtelle

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Meine Zusammenfassung
Vorangestellt ist ein Zitat von Charles Darwin, Die Entstehung der Arten:


"Es ist wahrlich eine großartige Ansicht, dass der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur einigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht hat und dass, während unser Planet den strengsten Gesetzen der Schwerkraft folgen sich im Kreise geschwungen, aus einfachem Anfange sich eine endlos Reihe der schönsten und wundervollsten Formen entwickelt hat und noch immer entwickelt."

Aus dem darauf folgenden Prolog ist eine Geschichte zu entnehmen, die in Pusan, Südkorea, 1952, spielt. - Ein Mann sucht in den Gassen ein bestimmtes Geschäft, einen bestimmten Mann. - Er handelt mit ihm, und zwar bekommt er von diesem Mann ein Medikament, das tötet, der Mann bekommt dafür von ihm ein Medikament das Mangelware dort ist, ein Antibiotikum. - Das Gift wird ausprobiert an einem streuenden Hund, der dort in den Gassen harmlos herumläuft. - Er ist schnell tot, der Mann schleift ihn weg, wohin ist nicht bekannt.
Mit dieser Geschichte kann ich zunächst nicht viel anfangen, aber sie bekommt ihre Bedeutung später dann in der Geschichte.

Im ersten Kapitel "Eine Handvoll Laub", wird vom Großvater des Protagonisten Edgar im Jahr 1919 erzählt. Dieser hatte ein Stück Land gekauft von einem Mann, den er nie kennen lernte. Er weiß nur den Namen: Schultz. - Ob dieser später nochmal eine Rolle spielt, könnte später Thema sein.

Dieser Großvater (John Sawtelle) hatte eine Hündin, Violet. Sie buddelte sich unter dem Zaun durch ins Freie, und suchte sich einen Freier…. - So kamen sieben Welpen heraus. Die der Großvater sehr gerne um sich hatte und der Gedanke, sie wegzugeben, was er leicht hätte tun können, es wären genug Abnehmer da gewesen, war ihm zuwider. Er konnte nicht ertragen, sie etwa wohin zu geben, wo sie nicht gut behandelt werden würden. So vertrieb er sich die Zeit mit den Welpen, brachte ihnen kleine Kunststücke bei, saß mit seiner jungen Frau abends hinter dem Haus, die Hunde drum herum. - Es war die schönste Zeit seines Lebens, wie er später erzählte.

Er fuhr dann eines Tages in die nahe Stadt, da traf er zunächst einen Hund, Captain, dessen Massigkeit, aber vor allem seine Augen und ein Blick ihn stark beeindruckten. Am nächsten Tag begegneten sie einer Hündin, Violet, der ein halbes Dutzend Welpen folgten. - Der Vater der Welpen war Captain. - Sie tollten herum, Captain ebenso wie die Hündin, die Welpen tobten umher. Von einer Frau erfuhren sie das alles, und dass dieses Paar sich immer dort am Brunnen traf, seit die Welpen flügge waren….. Mit dem Besitzer von Captain wurde ein Tausch ausgemacht, Welpe gegen Welpe. Und so begann die Hundezucht der Sawtelles….
Die Geschichte geht dann weiter. John und seine Frau hatten zwei Söhne, einer davon war Edgars Vater, Gar. Der andere zog in die Welt - war jahrelang nicht auffindbar…

Trudy und Gar bekamen lange keine Kinder, und als sie endlich Edgar bekamen, stellte sich bald heraus, dass er zwar hören konnte, aber er sprach nicht. Sie entwickelten eine Gebärdensprache, auch eigene Gesten waren dabei. die Kommunikation zwischen Edgar und seinen Eltern verlief problemlos.
Viele Geschichten seiner Eltern werden eingeflochten, auch die ärztlichen Untersuchungen Edgars, die aber erfolglos blieben. Er konnte nicht sprechen.
Jetzt kommt Almondine zur Geschichte. Sie und Edgar waren unzertrennlich. Almondine schlief mit Edgar in seinem Bett oder davor, begleitete ihn auf Schritt und Tritt, und: sie verstand ihn, sie konnte seine Gebärden verstehen.
Es sind wunderschöne Geschichten zwischen Almondine und Edgar eingeflochten und sie werden bis zu diesem gewissen Ereignis unzertrennlich bleiben.

Aber vorher geschieht noch was anderes; dort im Schuppen, wo die Hundezwinger waren, die Gebärboxen, die Welpen und alles, kam es zu einem Vorfall, der verschwommen blieb. Aber Resultat war eben, dass Edgars Vater Gar plötzlich auf dem Boden lag und verstarb, Edgar kam grade noch dazu, und eine Nachricht seines Vaters konnte er gar nicht zuordnen. Aber er hatte was gesagt, und dann war er tot. Einige Wochen zuvor war der lange verschollene Bruder Gars wieder aufgetaucht. - Die beiden Brüder hatten irgendetwas, worüber sie sich immer stritten, warum fand Edgar nicht heraus.
Zunächst wohnte dieser Bruder, Claude, bei ihnen, nach einem Streit war dieser aber auszogen. Edgar war also mit seiner Mutter jetzt alleine auf dem Hof, seine Mutter trainierte wie zuvor die Hunde, Edgar musste große Teile der Arbeit seines Vaters übernehmen. Bereits zuvor hatte er von seinem Vater gelernt, wie mit gebärenden Hündinnen umzugehen war, was getan werden musste usw. Ein alter Tierarzt, der ihnen mal einen Kredit gegeben hatte gegen einen prozentualen Anteil, war behilflich, und stand ihnen bei nach dem Tod des Vaters, Gar. Claude wohnte in der nahen Stadt, arbeitete alles Mögliche, u.a. auch in der Tierarztpraxis dieses Tierarztes, Dr. Papineau.

Edgar macht sich immer wenn Zeit ist daran, die Unterlagen, Notizen seines Vaters über die Züchtungen, Stämme, aber auch Korrespondenzen mit anderen Züchtern, u.a. auch eines Wissenschaftlers über Hundezucht durchzustöbern. Es kommt ein ganz interessanter Briefwechsel vor, den Edgar neugierig und hochinteressiert verfolgt; es geht darum, bzw. es wird eine Diskussion darüber geführt, was zu den besten Hunden führen kann. - Edgars Vater ist da anderer Ansicht als der Wissenschaftler, der einzig und alleine auf das Erbgut setzt, Edgars Vater aber genauso auf die Aufzucht, den Umgang, also im Gegensatz ganz anders vorgeht, als diese uralten gültigen Zuchtgesetze es vorschreiben.

Da das Buch ja sehr umfangreich ist, ist auch die Geschichte sehr ausführlich und vor allem wunderschön weiter geschrieben. Um nicht allzu viel zu verraten, mal nur ein paar kurze Einwürfe von mir, um was es dann weiter geht in dieser spannenden Geschichte.

Es kommt zu einer weiteren Tragödie, aufgrund dessen Edgar vom Grundstück flieht. Er nimmt drei Hunde ‚seines' Wurfs mit. Sie wandern kilometerweit, meistens ohne was zu Essen oder Trinken zu haben, er hat ein Ziel, das aber sehr weit ist…… - Als dann eines Tages sich einer seiner Hunde eine Verletzung zuzieht, wird das Unternehmen sehr katastrophal. Er muss den Hund tragen, die Pfote ist verletzt…….. Sie suchen sich oft Hütten oder Wochenendhäuser, stöbern nach Essbarem, nach Wasser usw. - schlafen kann Edgar mittlerweile nur noch auf dem Boden, in einem Bett oder auf einem Sofa, das geht nicht. - Also er legt sich immer inmitten seiner drei Hunde auf den Boden, da kann er schlafen. Eines Tages kommen sie auch zu einem abgelegenen Haus, und mit dessen Besitzer freundet sich Edgar an….. Zunächst hatte er sich nur Lebensmittel aus dem Haus genommen, aber immer so, dass es nicht auffällt, alle Spuren beseitigt, und niemals alles genommen, immer nur so viel wie er und die Hunde brauchten. Es kommt dann dazu, dass er sich mit dem Besitzer dieses Hauses anfreundet. Es ist ein sehr verschlossener, freudlos wirkender Mann. Und es wird eine große Freundschaft draus…..

Währenddessen ist die Geschichte in seinem Elternhaus weitergegangen. - ……. -
Sein Onkel, der mit seiner Mutter ein Liebesverhältnis angefangen hatte, und der Sohn des Tierarztes, der zuvor - wie Edgar meint - durch seine Schuld zu Tode gekommen ist, und weswegen er ja auf der Flucht ist, treffen sich. - Und jetzt wird so langsam der Charakter seines Onkels Claude klarer - . Mehr vom Inhalt möchte ich nicht verraten. Es wird zunehmend spannender, sogar makaber, es treten unglaubliche Zusammenhänge auf, die thematisiert werden, und auch die im Prolog erwähnte Geschichte bekommt so langsam ihre Bedeutung…….

 

 

 

Der Autor
David Wroblewski, 1959 geboren, wuchs auf einer Farm in Wisconsin auf, unweit des Chequamegon National Forest, wo auch sein Roman angesiedelt ist.

Einige Jahre lang verdienten seine Eltern ihr Geld mit Hundezucht. Bisher arbeitete Wroblewski als Softwareentwickler.
Heute lebt er als freier Autor mit seiner Partnerin und seiner Hündin in Colorado.

 

Verlagsbeschreibung:
"Immer schon hat Edgar eine besonders enge Beziehung zu den Hunden gehabt, die seine Eltern auf ihrer Farm züchten.

Nun ist er auf die Hilfe der Tiere angewiesen, als er eines Tages gezwungen ist, zu fliehen - vor seinem finsteren Onkel Claude. Edgar ist überzeugt davon, dass Claude seinen Vater ermordet hat ...

Eine mitreißende Familiengeschichte und ein Abenteuerroman, der den dramatischen Kampf eines Jungen ums Überleben in der Wildnis vor einer atemberaubenden Landschaftskulisse schildert.

Edgar wächst auf einer abgelegenen Farm in Wisconsin auf, wo seine Eltern Gar und Trudy eine Hundezucht betreiben.

Den hochsensiblen 14-Jährigen, der stumm zur Welt kam, verbindet eine enge Freundschaft mit den Tieren; die Hündin Almondine, seine treueste Kameradin, versteht sogar seine Zeichensprache.

Eines Tages jedoch hat der Frieden ein Ende: Edgars Onkel Claude taucht auf und gerät wegen Erbstreitigkeiten mit Gar aneinander. Kurz darauf kommt Gar auf mysteriöse Weise ums Leben.

Edgar ist überzeugt, dass Claude seinen Vater umgebracht hat, und flieht - nur begleitet von drei jungen Hunden, mit deren Hilfe er lernen muss, in der Wildnis zu überleben. "

und weiter:

"Die Geschichte des Edgar Sawtelle" ist ein kluger, lebenspraller Roman über die großen Themen der Literatur: Rache und Schuld, Brudermord und Vaterverlust, Liebe und Hass. Ein zeitloses Epos und eine wahrlich unvergessliche Geschichte über die besondere Freundschaft zwischen einem Jungen und seinem Hund."

 

 

Buchdaten:
Verlag: Dva 2009
2. Aufl.
Seitenzahl: 704
Deutsch
ISBN-13: 9783421044143 ISBN-10: 3421044147 Aus

dem Englischen übersetzt von Barbara Heller und Rudolf Hermstein

Meine abschließende Meinung
Ein Buch, das mich sofort in seinen Bann zog. Die Sprache ist einfach, schnörkellos. Aber die geäußerten Dialoge, Gedankengänge, Geschehnisse wahrlich nicht. Sehr liebevoll wird vom Autor erklärt, was es mit Hundezucht in seiner besten Form auf sich hat. - Es wird haargenau beschrieben, wie die Welpen von der Geburt an betreut, erzogen werden. Und das spezielle an dieser Hundezucht ist, dass die Welpen oder dann Junghunde, erst nach einem Jahr frühestens abgegeben werden. -
Und: Sehr wichtig: Der Kontakt zu den Besitzern wird aufrechterhalten, so lange die Hunde leben. Jeden Abend werden z.b. einige Hunde ins Haus genommen. Die ganzen Hunde leben in der angrenzenden Scheune, die u.a. Wurfboxen, eine Werkstatt, aber auch eine Apotheke beinhalten. Und das ganz Wichtige: ein Büro, wo sämtliche Daten aller jeweils gezüchteten und abgegebenen Hunde festgehalten werden, in unzähligen Ordnern, die immer wieder aktualisiert werden.
Die ‚Sawtelle-Hunde' sind längst ein Warenzeichen, wenn ich mal diesen Ausdruck verwenden darf, der falsch ist. - Diese Hunde sind keine Waren!! - Es sind besondere Hunde, jeder einzelne hat was besonderes, und genau das ist die Philosophie der Sawtelles…..bis hin zu Edgar, dem jüngsten Spross der Familie. So wird - immer in die spannende Geschichte eingeflochten, erzählt, was Edgar im einzelnen mit seinen Hunden macht, aber auch das, was seine Mutter, eine versierte Hunde-Erzieherin, mit den Hunden erarbeitet.

Ein interessanter Briefwechsel des Großvaters und auch Vaters von Edgar mit einem anderen wissenschaftlich orientierten Hundezüchter wird ausführlich aufgezeichnet. Woraus hervorgeht, wie sich beide zunächst darüber streiten, was bei Hundeaufzucht und Züchtung das wichtigste ist. - - Edgars Großvater und auch Vater sind von ihrer - sehr berechtigten und nachweisbaren - Meinung nicht abzubringen, dass der Stammbaum zwar einiges aussagt usw. - aber die Erziehung ein wesentlicher Teil ist. - - Und: sehr wichtig: Es gibt niemals Strafen, nur Belohnungen!!!!!

Der Handlungsstrang, der sich neben diesen ganzen Ausführungen über die Hunde hinzieht, beginnt zunächst recht harmlos. Zunächst kaum zu bemerken, was sich da aufbaut, und der Autor versteht es wirklich, dieses Werden der Geschichte so langsam aufzubauen, um schließlich, erst im letzten Fünftel des Buchs, die Spannung derart zu verstärken, dass dem Leser erst, im Rückblick auf das ganze vorher Geschehene, einiges klar wird. Und es wird eine wirklich makabere, - leider die schlechtesten Arten eines Charakters beschreibenden Wesensarten - Geschichte zu Ende geführt.

Anmerken möchte ich noch, dass der Protagonist Edgar nie sprechen konnte. Er konnte alles hören, aber nicht sprechen. Er verständigte sich aber mit seiner Mutter, seinen sonstigen umgebenden Personen immer in Gebärdensprache. Und das hochinteressante daran: auch seine Hundeerziehung verlief nur mit Gebärden!!! Seine Hunde gehorchten und verstanden seine ganzen Zeichen, angefangen mit Händeklatschen, Bewegungen seines Kopfes, seiner Augen, und Handzeichen!!

Etwas, das ich noch gar nicht erwähnte habe: Edgar hat immer mal wieder Erscheinungen, wo Tote ihm als nebelhafte Gestalten erscheinen, und ihm etwas sagen…. Und auch das Ende von Almondine wird zauberhaft erzählt, schmerzlich zwar, aber so wunderschön beschrieben, das kann nur ein Autor, der selbst Hunde liebt, sie ganz genau kennt…. Das Ende des Buches ist dann spektakulär…… und kann ich nicht verraten.

Aber: Ganz wichtig, jeder der mit Hunden zu tun hat, selbst welche hat, oder Hunde liebt, wird mit diesem Roman in seinen Bann gezogen!! - Da ist soviel Liebe zu Hunden, aber auch zu Tieren im Allgemeinen vom Autor verbalisiert, das einfach ansteckend wirkt.

Sehr interessant, am Ende fügt der Autor einige Literatur zum Thema an - über Ausbildung von Hunden. Und die Trainingsmethode der Sawtelle-Hunde wird in einem Essay "How To Say 'Fetch' " von Vicky Hearne empfohlen, wer sich dafür näher interessiert.