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Meine Zusammenfassung
Vor dem ersten Kapitel schreibt der Autor: "für sie". Enrique lernt
durch seinen Freund Bernard Margaret Cohen kennen. - Er ist 20,
sie 23 Jahre alt. Sie leben in Manhattan (NY). Wie aus ihrem Namen
zu entnehmen ist, ist sie jüdischer Abstammung, hat sehr reiche
Eltern, während seine Eltern Schriftsteller sind, immer in Geldnöten.
Sie lernen sich also kennen und für Enrique ist ganz schnell klar,
sie ist seine Traumfrau, mit ihren riesigen blauen Augen, ihrem
dichten schwarzen Haar, ihrer zierlichen Figur. Er, hager, hoch
aufgeschossen, die Schule abgebrochen und mit dem ersten Buch großen
Erfolg gehabt, arbeitet an seinem 3. Buch.
Der Autor wechselt jetzt von Kapitel zu Kapitel in die Zeit der
schweren Erkrankung Margarets, bzw. ihren letzten Wochen. Einmal
geht er ganz zurück in ihre ersten Zeiten als Liebespaar, dann als
junges Ehepaar, wo der erste Sohn geboren wird, dann aber auch in
die Zeit der folgenden Jahre, etwa zu der Zeit, nach der Geburt
des ersten Sohnes, als er eine Geliebte hat und meint, in ihr seine
große Liebe gefunden zu haben, und sogar ernsthaft erwägt, sich
scheiden zu lassen und diese neue Freundin zu heiraten. - - -.
Ein Ausschnitt aus dieser Zeit:
"Dass sie langweilig war, war ja schon schlimm genug, aber das könnte
er noch aushalten, sagte er sich, wenn sie sich nur nicht, nach
zehn Stunden physischer und psychischer Plackerei, weigern würde,
mit ihm zu schlafen. Nicht mal das kurze Vergnügen eines Zehn-Minuten-Ficks.
Keine Hoffnung auf ein Ende seines Eunuchenlebens. Keine Aussicht
auf Belohnung. Außer einem widerwillig vollzogenen, klinischen Akt
pro Monat im günstigsten Fall - und oft nur alle zwei Monate. Und
diese seltenen Erfolge konnte er nur durch stundenlanges Schmeicheln
und Betteln erzielen. Fast immer gingen sie, nach seinen ganzen
braven Bemühen, mit ihr eine lebenssprühende junge Familie zu bilden,
ins Bett wie ein asexuelles Greisenehepaar. Das war der stumme Horror,
der ihn überkam, wenn sie sich in geschlechtsneutraler Schlafbekleidung
am jeweiligen Rand ihres Ehebetts verkochen: diese Dörrpflaume von
Erotik, die sie ihm, der gerade mal achtundzwanzig war, als Kost
bot, heute und in der Zukunft - das war es, was an seiner Seele
fraß……"
Diese Zeit schildert er, und wie es dann dazu kam, dass er zu Margaret
zurückfand. Sie hatten eine Paartherapie gemacht, von Enrique eigentlich
dazu gedacht, es ihm leichter zu machen, sich von Frau und Kind
zu trennen. Bei Gesprächen dann, wo Margaret genau das geäußert
hatte, was er auch fühlte, nämlich sich ungeliebt zu fühlen, wurde
ihnen klar, wie es dazu kommen konnte, zu dieser Überzeugung zu
kommen. Margaret war beruflich sehr erfolgreich tätig, Enrique allerdings
hatte nach seinen ersten Erfolgen nur noch Enttäuschungen, seine
Romane kamen nicht an, er war mit sich selbst schon sehr unzufrieden,
und Margaret war eben von ihrem eigenen Beruf so angespannt, dass
sie, als diejenige, die immer schon in der Partnerschaft bestimmt
hatte, die Situation ihres Mannes entgangen war.
Der bedeutendere und auch umfangreichere Teil des Romans beschreibt
die letzten Wochen von Margaret. Und wie Enrique darüber nachdenkt,
wie ihre Ehe so lange Zeit so gut gehen konnte, obwohl sie beide
so total unterschiedlich waren. Und er fragt sich, bzw. stellt eigentlich
fest, dass seine Liebe zu ihr niemals größer gewesen war, als in
dieser schweren Zeit. Und immer wieder nimmt er sich vor, ihr das
noch einmal, bevor sie stirbt, genau zu sagen, was sie ihm bedeutet
hat, dass sie SEIN Leben war. Es wird bis in alle Einzelheiten geschildert,
was mit Margaret geschieht; zunächst die Diagnose, dann eine zeitweilige
Besserung, dann eine kontinuierliche Verschlechterung, bis hin zu
Magen- und Darmversagen.
Auf Margarets Wunsch hin übereinkommen sie, zusammen mit den Ärzten,
dass ab einem gewissen Zeitpunkt die Behandlungen eingestellt werden
sollen. Sie haben noch viele Gespräche, wo Margaret auch ganz klar
äußert, dass sie sehr traurig ist, ihn und die beiden Söhne verlassen
zu müssen, nicht mehr mit zu erleben, wie der jüngste Sohn ins Kolleg
kommt.
Er hat sehr viel Zeit zum Nachdenken, in den Pausen, wo er sich
neben sie ins Bett legt, sie mit Schläuchen aus allen möglichen
Körperöffnungen versehen. Es sind unglaubliche Dienste, die er vollbringt.
Er wechselt alle Behälter, zum Ende hin dann, als weder ihr Magen
noch ihr Darm funktionieren, das Essen, das sie nur zum Genuss doch
isst, wird aus dem Magen wieder in einen Beutel geleitet, der regelmäßig
geleert werden muss. Da sind Infusionen, und ganz am Schluss eben
die Palliativ-Medizin, die sie bekommen soll.
Und immer dazwischen kommen ihm Gedanken aus den Zeiten, als Margaret
noch gesund war, als sie noch jung waren. Seine Zeit, wo er um sie
geworben hatte, und er nicht fähig war, mit ihr zu schlafen. -Es
ging einfach nicht, er versagte, bis schließlich Margaret das selbst
in die Hand nahm, und sie so endlich mal Geschlechtsverkehr vollziehen
konnten.
Als sie ihren Hochzeitstag in Italien feierten, und sie ein Gespräch
hatten, wo er von ihr genau wissen wollte, was er für sie bedeutet.
- "Und für einen Augenblick, im großen Verzeihen dieses Hochzeitstages,
verstand er das Wesen seiner Ehe. An diesem sonnigen Nachmittag
in Torcello begriff er, dass ihn Margarets Zufriedenheit über ihren
Platz in der Welt ehrfürchtig machte, dass sie das war, was sich
für ihn als dauerhaft erwiesen hatte. Sein Vater war gestorben,
seine Eitelkeit und sein Glaube an die Kunst waren dahin. Was er
dem Leben an wahrem Wert abgewonnen hatte, war das, was sie ihm
gegeben hatte."
Zuletzt machen sie mit der Hospiz-Ärztin zusammen einen Plan über
die letzten Tage. - Es werden noch Mittel verabreicht, die es ermöglichen,
dass Margaret sich von allen ihren Freunden, aber auch ihrer Familie
verabschieden kann. Enrique hat einen Kalender angelegt, wo täglich
für jede halbe oder ganze Stunde, oder eben mehrere Stunden bei
ihren -Söhnen und Eltern, ein Besucher eingetragen wird. - Zuletzt
hatte er dann für sich die letzten Stunden ausgedacht. - Als das
alles erledigt war, war abgemacht, dass Margaret diese Medikamente
nicht mehr bekommt, sie wird dann zwar ins Koma fallen, aber so
und nicht anders will sie es. Als sie dann wirklich im Koma ist,
er konnte ihr immer noch nicht seine lange ausgedachten Gedanken
mitteilen, dazu hätte er ihre Qual verlängern müssen, sind noch
schlimme Stunden für Enrique. -
Obwohl das total unnormal ist, bewegt sie sich, ihr Darm entleert
sich (auch wenn nichts verdaut wird, produziert ein Darm noch Schleim
und eben solches komische Zeug. - und während ihres Deliriums ist
er dann eine Nacht damit beschäftigt, sie dreimal sauberzumachen,
sie zu waschen, das Bett zu reinigen….. es sind für ihn sehr anstrengende
und schlimme Stunden, Margaret macht das alles unbewusst, im Traum,
sie ist schon auf dem Weg …… Zuletzt macht sie noch in ihrer Trance
versuche, ihm was mitzuteilen, ist aber nicht mehr möglich….. Er
liegt neben ihr, und ihm kommen wieder Erinnerungen aus ihrer glücklichen
Zeit…..
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Der Autor
"Rafael Yglesias, geboren 1954 in New York City, ist der Sohn des
Schriftstellerpaars Jose und Helen Yglesias.
Mit 17 Jahren brach er die High School ab, um seinen
ersten Roman zu veröffentlichen, sieben weitere folgten.
Als Drehbuchautor schrieb er u. a. "Der Tod und
das Mädchen", "Les Miserables", "From Hell" und "Dark Water".
Von 1977 bis zu ihrem Tod 2004 war er mit Margaret
Joskow verheiratet.
"Glückliche Ehe" ist sein erster Roman seit 13 Jahren.
Yglesias hat zwei erwachsene Söhne und lebt in New York." (Klappentext)
Buchdaten:
Verlag: Klett-Cotta 2010 Seitenzahl: 426
Deutsch
ISBN-13: 9783608937077 ISBN-10: 3608937072
Klappentext:
"Als der 21-jährige Enrique Sabas im wildromantischen Manhattan
der Siebzigerjahre auf die drei Jahre ältere Margaret Cohen trifft,
weiß er, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Doch die familiären
Gegensätze könnten größer nicht sein: Er ist ein literarisches Wunderkind,
ein eigenbrötlerischer Schulabbrecher, der sich ganz dem Leben der
Boheme hingibt, wohingegen die lebhafte, attraktive Margaret aus
einem bürgerlichen Haushalt kommt und die kontrollierte Emotionalität
ihrer Mutter geerbt hat. Die erotischen Abenteuer und Missgeschicke
in den ersten Wochen ihres Kennenlernens sind verwoben mit Szenen
ihrer Ehe - die Erziehung der Kinder, der Verlust eines Elternteils,
die Versuchungen eines allzu leichten Seitensprungs -, bevor Margaret
mit Mitte fünfzig ihrer Krebserkrankung erliegt. Eine wahrhaftige
Geschichte über ein gemeinsames Leben - und darüber, was eine glückliche
Ehe ausmacht."
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Meine
abschließende Meinung
Obwohl auf der Innenklappe vermerkt ist, dass der Roman frei erfunden
ist, und jegliche Ähnlichkeit usw……. rein zufällig ist. - Das stimmt
nicht. Wenn ich die Vita des Autors lese (ganz oben) - dann muss
das seine ureigenste Geschichte sein. -
Es stimmt alles, lediglich sein Name ist Enrique. Es mögen auch
einige andere familiäre Zusammenhänge und Namen erfunden sein, aber
das wesentliche ist seine Geschichte.
Erst
13 Jahre nach dem Tod seiner Frau Margaret hat er diesen Roman geschrieben.
Und ich denke, es ist seine Art der Verarbeitung, an die er endlich
nach 13 Jahren gegangen ist, in Form dieses Romans.
Aus diesem Grund ist ihm auch nicht voll anzukreiden, dass er Teile
der Geschichte sehr langatmig geschrieben hat. Er hat eben alles
aufgeschrieben, was ihm durch den Kopf ging. - Das waren oft Wiederholungen,
bzw. Schilderung sehr ähnlicher Geschehnisse.
Für
ihn war es sicherlich nicht leicht, diesen Balanceakt zu vollziehen;
zwischen Wirklichkeit, der Schilderung einer großen einzigartigen
Liebe, und dennoch nicht schnulzig zu werden. Und das ist sie wahrlich
nicht! -
Ich sehe es als Zeugnis einer gescheiten Umsetzung; was ihm in meinen
Augen hervorragend gelungen ist.
Dieser
Roman ist nicht einfach zu lesen, und wer sehr sensibel ist, vor
Krankheit und Tod Angst hat, könnte vielleicht mit dem Lesen überfordert
sein. Auf der anderen Seite ist es dem Autor sehr gut gelungen,
diese Angst zu reduzieren, alleine durch seine gewählte Sprache
und die Wechsel seiner Schilderungen in immer wieder aufheiternde
Stimmungen, Situationen, Begebenheiten.
Und
zuletzt fragt man sich als Leser, wie kann eine solche Liebe/Ehe,
mit diesen Höhen und Tiefen, diesen so unterschiedlichen Charakteren
letztendlich so lange halten aber auch zu einer solchen großen Liebe
anwachsen.
Der Autor gibt darauf eine Antwort. Oft bis in die kleinsten Einzelheiten,
die verflochtensten Gedanken. Er kann das mit Hilfe seiner Sprache,
insbesondere der Tiefe seiner Formulierungen hervorragend lösen.
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