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"Spieltrieb"
Meine kurze Zusammenfassung:
Das Buch beginnt mit einem Teil eines Urteils, den "Entscheidungsgründen".
Damit kann man zunächst nichts anfangen, erst am Ende des Buchs
sind die verständlich.
In einem Bonner Gymnasium beginnt die Geschichte, die eine atemberaubende
Entstehung einer obsessiven Abhängigkeit beschreibt; zunächst zwischen
einer Schülerin (Ada) und einem Schüler (Alev).
Zuerst nur die Entwicklung einer Bereitschaft, aber bald dann entsteht
der Zwang zu Taten; alle Grenzen der Moral und menschlichen Mitgefühls
werden überschritten
Die beiden
wählen sich ihren Lehrer Smutek als Ziel einer in allen Einzelheiten
geplanten Erpressung. Es beginnt ein perfides Spiel.
Zu Beginn ist Ada 14 Jahre alt, sie kommt als neue Schülerin in
das Gymnasium, wo sie bald herausfindet, welche Lehrer ihr intellektuell
gewachsen sind; es ist nur einer, der ihr Paroli bieten kann, aber
Smutek gehört auch zu ihren "Favoriten", er ist der Freund des einen
Lehrers, den sie als ebenbürtig betrachtet.
Die Schule unterfordert sie, sie langweilt sich. Es entwickelt sich
nun eine makabre Geschichte, Ada, ein williges aber auch gleichwertiges
Pedant zu Alev, verführt zunächst Smutek, und Alev ist mit der Kamera
dabei. - Die Geschichte beginnt. -
Einzelheiten
werde ich im Hinblick darauf, dass jemand das Buch lesen möchte,
nicht ausbreiten, auch den Schluss nicht, weil die Spannung für
den Leser schon erhalten bleiben soll.
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Juli Zeh,
geboren 1974 in Bonn, wurde für ihre Bücher, die inzwischen in 28
Sprachen übersetzt sind, vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem
Deutschen Bücherpreis (2002),
dem
Rauriser Literaturpreis (2002),
dem
Hölderlin-Förderpreis (2003)
und zuletzt mit dem
Per-Olov-Enquist-Preis (2005).
Sie lebt und arbeitet als Autorin und freie Juristin
in Leipzig.
Weitere Werke von ihr:
Adler und Engel (2001)
Die Stille ist ein Geräusch (2002)
Ein Hund läuft durch die Republik (2004) Spieltrieb (2004)
Kleines Konversationslexikon für Haushunde (2005)
Alles auf dem Rasen (2006),
sowie eine Bühnenfassung ihres Romans Spieltrieb (2006)
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Einige bemerkenswerte Auszüge, entnommen aus Worten
verschiedener Protagonisten:
"……………..vielleicht wusste er, wie man eine Welt
errichtet, in der Sprache nicht wie ein gigantischer Spucknapf funktioniert,
in den Milliarden von Menschen rotzen, um hinterher darauf saufen
zu können……"
"…………der Schlaf hingegen ist eine Farbe, schwarzrandig,
aber nicht schwarz, in die wir hinter geschlossenen Lidern starren,
nachdem die Augen umgekippt sind, um den Kopf von innen zu betrachten…….."
"…………bald nach den ersten kindlichen Verständnisschritten,
die sich noch an den Sicherheitsleinen der Logik entlanggetastet
hatten, war Ada aufgefallen, dass das System des Denkens einen Fehler
enthielt. Man konnte es nicht anhalten. Verstehen funktionierte
wie Atmen. Ada beantwortete Frage, bevor sie gestellt wurden, das
Verstehen war kein Vorgang, es war ein Zustand, um nicht zu sagen
eine Krankheit. Die wenigen Dinge, die sich nicht begreifen ließen,
gewannen den Stellenwert von Heiligtümern, sie waren Indizien für
die Existenz eines letztverbliebenen Zufluchtsorts…….."
"…… schon vor Schulbeginn strengte die Sonne sich
bei ihren Aufwärmübungen an. Über den Köpfen der Menschen wippten
weiße Blüten vor blauem Hintergrund wie in einer öffentlich-rechtlichen
Sendepause ….."
"……………….. Nennt es, wie ihr wollt. Interessanter
ist die Frage, was geschieht, wenn ein Richter einen Fall sorgfältig
prüft, die einschlägigen Normen findet und auslegt, den Sachverhalt
subsumiert, Abweichungen und Ausnahmen durchdenkt und widerstreitende
Theorien in Einklang bringt, und wenn er am Abend in sich hineinhorcht,
um ein Urteil zu finden, und es antwortet ihm - nichts! Er wird
wild zu blättern beginnen. Den Fall noch einmal prüfen. Einen Kollegen
befragen. Drei Tage Urlaub nehmen, an etwas andres denken, das Ganze
in Ruhe von vorn beginnen. Und erneut zu keinem Ergebnis gelangen
…."
"……….. ein Tier muss an nichts glauben außer an
den unsinnigen Sinn des Überlebens. Allein, der pragmatische Mensch
unterscheidet sich vom pragmatischen Tier in einer bedeutenden Einzelheit.
Sein Spieltrieb erlischt nicht mit dem Eintritt der Geschlechtsreife.
Sein Spieltrieb lebt ewig. Ob das den menschlichen Pragmatismus
zu einer gefährlichen Einrichtung macht - ich vermag es nicht zu
sagen ……………"
"……….. Die Beschuldigten hatten nicht in Untersuchungshaft
gesessen. Sie werden von ihren Verteidigern erfahren haben, dass
die kalte Sophie sich anschickte, ihnen den Prozess zu machen. Ich
kann es es vor mir sehen, wie die Anwälte die Köpfe wiegten und
mit den Zeigefingern wackelten. Ich will Sie nicht beunruhigen,
aber das sieht schlecht für uns aus. Gewiss ahnte niemand, dass
es ein Glücksfall war. Gerechtigkeit gibt es in der Hölle. Im Himmel
herrscht Gnade …………."
Was
die Autorin zu diesem Titel "Spieltrieb" veranlasst hat, versteht
man schon nach ein paar Seiten dieses Buchs.
Die Autorin bedient sich zahlreicher philosophischer Betrachtungen
über Recht und Unrecht, Macht, Moral etc., die sich durch das ganze
Buch, und auch die Aussagen fast aller Personen ziehen, die in diesem
Buch vorkommen.
Die
Schilderung der eigentlichen Geschichte gewinnt ihre ganz besondere
Note dadurch, wie Reales, Aktivitäten, Gedankengänge, Überlegungen
usw. geschildert werden, insbesondere durch Dialoge, auch gedanklichen
Dialoge, Erleben des Realen und auch der Phantasie.
Und ganz besonders, hier in diesem Buch noch sehr viel mehr als
in dem ersten Buch von ihr, das ich gelesen habe (Schilf) ihre unnachahmlichen
Schilderungen von umgebenden Bildern, die aber immer im Zusammenhang
mit der Geschichte stehen.
Die
Autorin gehört zu meinen absoluten Favoriten im Autorenbereich.
Und zu ihren Preisen werden noch einige hinzukommen, sie ist erst
34 Jahre alt.
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